TV-Partner
ESPN zeigt Premier League

Nach der Pleite des irischen Sportsenders Setanta hat die Premier League ihren wichtigsten TV-Partner verloren - und umgehend einen neuen gefunden. Die Disney-Tochter ESPN kauft die Fernsehrechte am englischen Spitzenfussball bis 2013 für rund 250 Mio Pfund. Für Schottlands Profiliga könnte sich die Pleite dagegen deutlich schmerzhafter auswirken.

LONDON. Der irische Sportsender Setanta ist am Ende. Die Wirtschaftsprüfungsfirma Deloitte übernahm gestern Abend als Insolvenzverwalter die Führung des unter den Zahlungsverpflichtungen für Senderechte kollabierten Unternehmens. Sie kündigte an, die britischen Sender rasch abzuschalten und für die irischen und internationalen Aktivitäten Käufer zu suchen.

Die englische Premier League, deren Spiele das wichtigste Zugpferd von Setanta waren, bleibt von der Krise fast unberührt. Sie fand mit der Disney-Tochter ESPN binnen weniger Tage einen Käufer für die verwaisten Übertragungsrechte. Das ist der schottischen Profiliga noch nicht gelungen: Setanta war ihr einziger Fernsehpartner.

Setanta sei es in einem schwierigen und hart umkämpften Markt nicht gelungen, das Geld für die Fortsetzung der Geschäfte aufzutreiben, bedauerte der Verwaltungsratschef Robin Miller. Verhandlungen mit dem Investor Len Blavatnik scheiterten am Wochenende. Da Setanta der Premier League schon am Freitag eine Rate von zehn Mio. Pfund (zwölf Mio. Euro) schuldig geblieben war, begann die oberste englische Fußballliga sofort mit der Auktion der Senderechte.

ESPN hatte sich schon im Februar an der Auktion der Lizenz für die Spielzeiten 2010/11 bis 2012/13 beteiligt, war aber leer ausgegangen. Der britische Pay-TV-Sender BSkyB, der von Rupert Murdochs News Corp kontrolliert wird, erwarb damals für 1,62 Mrd. Pfund die Rechte für 115 Live-Spiele pro Saison. Setanta kaufte die restlichen 23 Spiele pro Saison für 162 Mio. Pfund.

Premier-League-Chef Richard Scudamore war der Stolz anzumerken, als er die erfolgreiche Blitz-Auktion bekannt gab. „Der Zeitplan war wirklich eng“, sagte er. „ESPN hat weltweit einen hervorragenden Ruf. Und ich bin mir sicher, dass wir eine lange und fruchtbare Beziehung mit ihnen haben werden.“ ESPN zahlt britischen Medienberichten zufolge 150 Mio. Pfund für die je 23 Spiele in den Spielzeiten 2010/11 bis 2012/13 und 100 Mio. Pfund für die 46 Spiele der Saison 2009/10, deren Übertragungsrechte Setanta schon vor Jahren erworben hatte.

Ein ESPN-Sprecher wollte zu den Zahlen keine Angaben machen. Für die Übertragung will sich der Disney-Ableger verschiedener technischer Plattformen bedienen, darunter auch der Satelliten-Plattform von BSkyB.

Die Rechte für die restlichen 92 Live-Spiele der kommenden Saison und für 115 Live-Spiele pro Jahr bis 2013 hält BSkyB. Der dominierende Sender darf aus kartellrechtlichen Gründen nicht alle Spiele zeigen.

Noch schmerzhafter als für die Premier League ist der Niedergang von Setanta für die erste Fußballliga Schottlands, denn die hatte ihre gesamten Senderechte an die Iren abgegeben. Erst im vergangenen Jahr hatten sich die Schotten mit Setanta auf einen Vierjahresvertrag mit einem Volumen von 125 Mio. Pfund geeinigt. Mit dem Vertrag verdoppelten die schottischen Clubs ihre Fernseheinnahmen. Nun müssen die Schotten innerhalb weniger Wochen einen neuen Partner finden. „Wir bemühen uns nun, unsere heimischen Fernsehrechte ab der kommenden Saison neu zu verkaufen“, sagte Lex Gold, der Chef der Scottish Premier League (SPL). Angeblich sollen schon Gespräche mit BSkyB laufen.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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