Über Talente im Fußball
Der verhinderte Weltmeister

Sergej Evljuskin war einst Kapitän der späteren Weltmeister Özil, Boateng und Höwedes. Heute kickt er in der 4. Liga. Ein lesenswertes Buch zeigt, warum Talent im Millionengeschäft Fußball nicht gleich Erfolg bedeutet.
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DüsseldorfJunge Fußballer müssen unfassbar viel investieren, um an die Tür zum Profifußball klopfen zu können. Sie verzichten auf alles, was eine Jugend ausmacht. Sie gehen mit Kopf und Körper an die Grenze der Belastbarkeit – und oft darüber hinaus. Da ist es unfassbar, wie wenig es dann am Ende ausmacht, ob aus einem herausragenden Talent ein Bundesligaprofi wird oder ein Amateurkicker.

Wie wenig, zeigt die Geschichte von Sergej Evljuskin. Heute kickt er mit Ende 20 in der vierten Liga bei Hessen Kassel. Dabei war er eines der größten Talente, die es je gegeben hat. Mit der Fritz-Walter-Medaille in Gold wird jedes Jahr der beste Nachwuchskicker geehrt. Nur zwei Spielern gelang es, diese Auszeichnung mehr als einmal zu bekommen: Der eine heißt Mario Götze, der andere Sergej Evljuskin.

Der Journalist Christof Dörr hat sich auf die Suche nach ihm gemacht und herausgekommen ist das Buch „Eigentlich wäre ich jetzt Weltmeister“, das die beiden gemeinsam geschrieben haben. Darin halten sie den rasanten Aufstieg, aber auch die Leidenstour des gebürtigen Kirgisen fest. Ehemalige Trainer kommen zu Wort, genau wie auch Mitspieler.

Evljuskin war ein gefeierter Nachwuchsstar beim VfL Wolfsburg. Er übersprang Jahrgänge und trainierte als 18-Jähriger bei den Profis mit. Sein damaliger Trainer hieß Klaus Augenthaler. „Für alle im Verein war klar: Der Evljuskin, der macht das. Der setzt sich durch, der wird mal ein ganz Großer. Das habe ich gespürt“, schreibt er.

Das war im Sommer 2006. Doch es kam anders: Evljuskin schaffte den Sprung nie. Anders als bei vielen lag es nicht an einer schweren Verletzung. Es war vor allem Pech.

Sicherlich hat es dem jungen Mann nicht geholfen, dass er unbedingt Abitur machen wollte und nur nachmittags trainieren konnte. Vor allem aber bekam er nie die Chance, die ein Mario Götze bei Borussia Dortmund bekam oder Mesut Özil sowie Benedikt Höwedes bei Schalke 04.

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