Übergangslösung oder ein Glücksgriff?
„General“ Dunga gibt sein Debüt

Brasilien sieht dem ersten Auftritt seiner Nationalmannschaft nach dem WM-Debakel mit einer Mischung aus Hoffnung und Skepsis entgegen. Die Partie gegen Norwegen am Mittwoch in Oslo soll eine Phase der Wiedergutmachung mit den enttäuschten Fans der „Seleção“ (Auswahl) einleiten.

SAO PAULO. Der brasilianische Fußballverband CBF (Confederação Brasileira de Futebol) setzt bei diesem Neubeginn auf einen ehemaligen Bundesligaspieler als Nationalcoach: Carlos Caetano Bledorn Verri, besser bekannt als „Dunga“, schnürte zwischen 1993 und 1995 für den VfB Stuttgart die Fußballstiefel.

Genau da setzt die Skepsis vieler Fans und Medien ein. Denn Trainererfahrung hat der 42-Jährige keine. Außerdem verbinden sie mit dem Spieler Dunga keinen „schönen Fußball“. Die „Ära Dunga“ steht zwar für den Gewinn der „Tetra“, sprich des vierten WM-Gewinns Brasiliens 1994. Doch diese Mannschaft bot den technik- und spektakelversessenen Brasilianern nur mäßig attraktiven und vor allem zweckorientierten Fußball. Zudem kreiden die Brasilianer in erster Linie dem Ex-Stuttgarter das frühe Ausscheiden bei der WM 1990 gegen Erzrivalen Argentinien an. So brach bei den brasilianischen Fans angesichts der Ernennung Dungas als Nachfolger für den zuletzt glücklosen Carlos Alberto Parreira nicht die große Freude aus.

Über Dunga schwebt zudem das Damoklesschwert, nur eine Übergangslösung zu sein. Zwar sagt Dunga, sein Auftrag sei es, die Nationalelf zu Weltmeisterschaft 2010 nach Südafrika zu führen (siehe Interview). Doch 2008 endet der Vertrag von Portugals Trainer Felipe Scolari, einem Brasilianer. Der hat eine Menge Erfahrung, bescherte seinem Heimatland den WM-Titel 2002 und vor allem: Er ist Wunschkandidat nahezu aller Brasilianer für Dungas Posten.

Einige Kommentatoren äußerten sich auch besorgt darüber, dass Dunga zwar viel von Leidenschaft und Hingabe spricht, aber bisher noch kein klares Konzept für die Ausrichtung der Seleção zum Besten gegeben hat. Während er in einem Interview mit der Wochenzeitschrift „Veja“ die Defensive zur obersten Priorität erklärte, betonte er bei der Bekanntgabe seines Aufgebots für das Norwegen-Spiel noch die Bedeutung spielerischer Qualität und offensiver Ansätze, dem in Brasilien so geliebten „Futebol-Arte“.

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