Überraschende Wende bei Trainersuche
Ende eines Irrtums

Für Übergangscoach Jürgen Röber ist die heikle Mission Borussia Dortmund bereits nach zehn Wochen oder acht Spielen beendet. Aus Frust über die fehlende Leidenschaft seiner Bundesliga-Profis im Abstiegskampf stellte der ohnehin nur bis zum Saisonende engagierte Fußball-Lehrer nach sechs Niederlagen und nur zwei Siegen am Montag sein Amt zur Verfügung.

HB DORTMUND. „In dieser schwierigen Situation geht es nicht um Personen, sondern einzig und allein um die Zukunft des BVB. Deshalb habe ich meinen Rücktritt angeboten“, sagte der erst vor knapp drei Monaten am 19. Dezember als Nachfolger des Niederländers Bert van Marwijk vorgestellte Trainer. Wer die Nachfolge antreten soll, ließ der BVB offen.

Die Aktien des einzigen börsennotierten Fußballbundesligisten brachen nach der Mitteilung ein. Die Papiere markierten mit einem Abschlag von über fünf Prozent auf 1,85 Euro ein neues Jahrestief. Beim Börsengang im Jahr 2000 waren die Anteilsscheine noch elf Euro wert.

Mit seinem Rückzug kam Röber der Vereinsführung entgegen. Denn Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Sportmanager Michael Zorc hatten ihre Suche nach einem vermeintlichen Retter, der den nur noch einen Punkt von der Abstiegszone entfernten Branchenriesen von einem folgenschweren Absturz in die Zweitklassigkeit bewahren soll, längst intensiviert. Dabei bahnt sich eine überraschende Kehrtwende an: Der lange Zeit als Wunschkandidat für die kommende Saison gehandelte Thomas von Heesen scheint aus dem Rennen zu sein. Stattdessen werden Felix Magath und Thomas Doll als mögliche Kandidaten gehandelt.

Nach dem Ende des möglicherweise folgenschweren Irrtums drängt nun die Zeit. Denn das Konzept der mit UEFA-Cup-Ambitionen in die Saison gestarteten Borussia, auf einen Übergangstrainer zu setzen, ist grandios gescheitert. „Spätestens nach der Niederlage in Bochum bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass in dieser Mannschaft längst nicht alle den Ernst der Lage begriffen haben“, klagte Röber. Er ist bereits der achte Erstliga-Trainer, der in dieser Saison vorzeitig seinen Stuhl räumte.

Was mit dem 3:2 im ersten Rückrunden-Spiel über den FC Bayern München vielversprechend begann, endete für ihn mit einer großen Enttäuschung. Der nach langer Abstinenz auf die Bundesliga-Bühne zurückgekehrte Coach konnte sich nicht - wie geplant - für einen anderen Arbeitgeber empfehlen. Was immer Röber in seiner kurzen Amtszeit auch versuchte hatte – es kam bei seinen Spielern nicht an. Die Vorbereitung auf Bochum in der Sportschule Kaiserau verpuffte ebenso wirkungslos wie der Umbau der Mannschaft. Als Lückenbüßer fehlte es ihm an Akzeptanz. Obwohl die Lage immer bedrohlicher wurde, ließen seine Profis den für den Abstiegskampf nötigen Biss Woche für Woche vermissen. Nicht zuletzt deshalb wirke der mit viel Energie gestartete Röber zuletzt ratlos und ausgebrannt. „Dass es so schlecht läuft, hätte ich bei meinem Amtsantritt nicht erwartet“, hatte Röber selbst nach der ernüchternden Niederlage im Revierderby verzweifelt eingestanden.

In einem Interview der „Ruhr Nachrichten“ machte er aus seiner Verärgerung keinen Hehl. „Ich hatte beim Training häufig ein blödes Gefühl im Magen. Und das sagte mir, schicke den einen oder anderen Spieler in die Kabine, wenn er keine Lust hat zu arbeiten. Darüber habe ich oft nachgedacht.“ Watzke äußerte Verständnis für die Entscheidung von Röber. „Wir müssen das respektieren. Er hat uns in einer schwierigen Situation geholfen, aber es hat nicht funktioniert. Er hat uns gesagt, dass er die Mannschaft nicht mehr erreicht“, sagte der BVB-Geschäftsführer.

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