Uli Hoeneß und Clemens Tönnies Wenn zwei Wurstfabrikanten über Fußball streiten

Schalke-Boss Clemens Tönnies und Bayern-Präsident Uli Hoeneß: Sie mögen sich, und so streiten sie auch – mit Augenzwinkern und freundschaftlichem Fausthieb. Zwei Fußball-Schwergewichte auf der Sportbusinessmesse Spobis.
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Uli Hoeneß (l), Präsident des FC Bayern München, und Clemens Tönnies, Aufsichtsratsvorsitzender vom FC Schalke 04, beantworten während einer Talkrunde auf dem Sportbusiness-Kongress SpoBis Fragen des Moderators. Quelle: dpa
Sportbusiness-Kongress SpoBis

Uli Hoeneß (l), Präsident des FC Bayern München, und Clemens Tönnies, Aufsichtsratsvorsitzender vom FC Schalke 04, beantworten während einer Talkrunde auf dem Sportbusiness-Kongress SpoBis Fragen des Moderators.

(Foto: dpa)

DüsseldorfSteckt der deutsche Vereinsfußball in einer tiefen Krise? In der Bundesliga enteilt der FC Bayern dem Rest mal wieder, international haben die deutschen Teams miserabel gespielt. Nur die Bayern schafften mal wieder den Sprung ins Achtelfinale der Champions League. Und Superstars hat die Bundesliga ohnehin nur ganz wenige. Die spielen leider woanders in Europa.

Doch derlei Tristesse ficht den Vordenker des deutschen Fußballs, FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß, in keiner Weise an. „Wir kämpfen nicht gegen La Liga, wir kämpfen nicht gegen die Premier League, wir machen unseren Job, dem Fan jedes Wochenende tolles Freizeitvergnügen zu bieten. Darum müssen wir uns kümmern“, lautet das Credo von Uli Hoeneß.

Zusammen mit einem anderen Wurstfabrikanten der Liga, dem Schalker Aufsichtsratschef Clemens Tönnies, setzte sich Hoeneß am Dienstag auf der Sportbusiness-Fachmesse Spobis in Düsseldorf auf eine weiße Couch. Angekündigt war ein Streitgespräch. Doch dafür kennen sich die beiden zu gut: Sie mögen sich, sie sind befreundet. Und wenn was ist, dann telefonieren sie mal eben. Zwei aus der großen Fußballfamilie eben.

Dass sich die beiden Unternehmer in den großen ökonomischen Fragen rund um den Fußball weitgehend einig sind, wundert da wenig. Interessant sind eher die Feinheiten, wenn es um das Abwerben von Spielern geht, wie jüngst Leon Goretzka, der von Schalke nach München geht. Doch auch derlei führt nicht zum Eklat, das gehört eben zum Geschäft Fußball.

Auf der Bühne in Düsseldorf sorgte natürlich Hoeneß für die Show. Erst kommt er zu spät, und kaum ist er da, stichelt er gegen das große Geld, die Schuldenmacherei vieler Vereine, die Engländer an sich und die Scheichs im Besonderen. So zum Beispiel: „Der Engländer hat ja außer Fußball wenig Freizeitvergnügen. Wenn Sie hingegen am Tegernsee wohnen...“

Oder so: „Die Scheichs in Doha sind nicht so geduldig wie unsere Zuschauer.“ Damit meint Uli Hoeneß zum Beispiel die Möglichkeit, dass Paris Saint Germain im Achtelfinale der Champions League nun gegen Real Madrid ausscheidet. Seine Sicht auf den Fußball ist eine eher langfristige, so wie er seinen Verein auch aufgebaut hat.

Hoeneß glaubt, dass es bereits erste Anzeichen gibt, dass die TV-Anstalten künftig nicht mehr so viel Geld in den englischen Fußball pumpen werden. Er hält das Investorenmodell der Premier League nicht für nachhaltig, weil es an den Fans vorbeigehe und diese viel zu wenig mitnehme. Heute schon kämen Engländer auf den Kontinent, um mal wirklichen Fußball zu erleben.

„Mich interessiert der alberne Umsatz nicht“

Kein Wunder also, dass Hoeneß den deutschen Fußball überhaupt nicht auf dem Abstellgleis sieht: „Die Bundesliga steht gut da“, sagte er und verweist auf die schwarzen Zahlen in den Bilanzen der meisten Vereine. Natürlich müssten alle sportlich besser werden, aber auch da sei mit den Leistungszentren und der Jugendförderung bereits viel angestoßen worden.

Abgerechnet werde in fünf bis zehn Jahren, glaubt Hoeneß. „Ob dann der englische und der spanische Fußball noch über dem deutschen steht, da habe ich meine Zweifel.“ Und wenn ihm die Supertransfers von Barcelona oder Paris entgegengehalten werden, dann gerät Uli Hoeneß so richtig in Fahrt.

„Mich interessiert doch der alberne Umsatz nicht, mich interessiert der Ertrag.“ Tatsache sei, dass Barcelona derzeit nicht in der Lage sei, ihr Stadion umzubauen, weil sie kein Geld dafür hätten. Aber sie würden für 400 Millionen Euro Spieler kaufen. „Dafür habe ich kein Verständnis.“ Seit vier Jahren wollten sie ihr Stadion modernisieren, und jedes Jahr werde es verschoben, weil sie von keiner Bank das Geld dafür kriegten.

Schalke-Boss Tönnies liegt mit Hoeneß in den meisten dieser Fragen auf einer Wellenlänge. Allerdings kommt er aus einer ganz anderen Ausgangssituation. Während die Bayern bereits Anfang der achtziger Jahre durch den Verkauf von Karl-Heinz Rummenigge schuldenfrei wurden, hat Schalke hier noch viel Arbeit vor sich. Immer wieder muss der Klub daher gute Spieler verkaufen oder ziehen lassen.

Das ändert aber nichts an der Grundhaltung: langfristig die Werte des Vereins mehren, um sportlich auf Dauer oben mitzuspielen. Denn dass Geld natürlich Tore schieße, darüber müsse man heutzutage gar nicht reden. Wichtig sei dabei jedoch, dass die Fans mitgenommen würden. Und dass die Anhänger Geduld hätten.

„Wir müssen uns weiter entwickeln und ein bisschen die Furcht vor dem FC Bayern verlieren“, ruft er der Liga zu. Tönnies will sich nicht von der Münchner Dominanz erdrücken lassen – und kann sich doch im Zweifel nicht dagegen wehren, wie der Fall von Goretzka zeigte. Augenzwinkernd lobt er Hoeneß daher für dessen Absage an Supertransfers von mehr als 100 Millionen Euro.

Es habe ihm gut gefallen, dass Hoeneß nicht noch mehr Spieler nehmen und diese nicht teuer bezahlen wolle. Da halte er viel davon, wirft Tönnies Hoeneß entgegen und boxt ihn sanft gegen den Arm. Hoeneß kontert: „Ich habe da kein Problem, wir haben ja in dem Fall nur unser Festgeldkonto etwas geplündert“, spielt er auf Goretzka an.

„Dann gibt es Prügelstrafe“

Tönnies versprach, dass Schalke 04 wirtschaftlich vernünftig bleiben werde. Eine Meisterschaft zum Beispiel sei ihm nicht so wichtig, dass er damit das wirtschaftliche Fundament des Vereins riskieren würde. Dazu gehört im Moment auch, ein eingetragener Verein zu bleiben und die Fußballabteilung nicht in eine Kapitalgesellschaft umzuwandeln.

Ganz im Sinne von Hoeneß: Die Bundesliga-Vereine müssten ihr jeweiliges Konzept verfolgen und entwickeln. Damit hätten sie am ehesten eine Chance, dass die Bayern nicht weiter enteilen. Bei dieser Gelegenheit konnte er sich eine kleine Spitze gegen den neuen Konkurrenten aus Leipzig und dessen Finanzier, den Red-Bull-Lenker Dietrich Mateschitz, nicht verkneifen.

„Ich hab dem Mateschitz vor der Saison gesagt, Red Bull soll ein paar hundert Millionen nehmen, die sie in die Formel 1 stecken, und in Leipzig investieren“, stichelte Hoeneß. „Mit der Jugendmannschaft werden die uns nicht packen.“ Da hat der Bayern-Boss bisher Recht behalten. Eine kleine Niederlage wird er aber wohl in dieser Saison einstecken müssen.

Die Chance, dass Jupp Heynckes als Trainer bei den Bayern bleibt, sieht er selbst nur noch bei zehn Prozent. Clemens Tönnies sah bei diesem Thema sogleich die Chance, einen Deal zu machen. Hoeneß solle nur ja nicht an den Schalker Trainer Domenico Tedesco denken. „Wenn Du den anfasst, gibt es eine Prügelstrafe.“ Hoeneß versprach: „Da geben wir Ruhe.“

Das Thema „Prügelstrafe“ bleibt ein Thema bis zuletzt. Die Schalker müssten sich auf jeden Fall für die Champions League qualifizieren. „Wenn ihr das dieses Jahr nicht schafft…“, beginnt Hoeneß einen Satz, den Tönnies vollendet: „dann gibt es Prügelstrafe.“ Und Hoeneß pflichtet grinsend bei: „Dann gibt es Prügelstrafe.“

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