Uli Stielike über Spaniens Nationalmannschaft
„Für jeden Gegner der blanke Horror“

Uli Stielike ist ausgewiesener Spanien-Experte. Acht Jahre trug der Europameister von 1980 das Trikot von Real Madrid, wurde zudem in die Jahrhundertelf des spanischen Rekordmeisters gewählt und ist jetzt bei den Madrilenen als Sportdirektor im Gespräch. Im Handelsblatt-Interview äußert sich der 51-Jährige über den Zustand der spanischen Nationalmannschaft bei dieser WM.

Herr Stielike, Spanien hat sich schon vor dem heutigen Spiel gegen Saudi-Arabien souverän für das Achtelfinale qualifiziert. Sind Sie als Spanien-Experte und früherer Spieler Real Madrids davon überrascht?

Nein.

Nein?

Spanien hat in den Vorrunden immer attraktiven Fußball gespielt. Dann sind die Erwartungen ins Kraut geschossen und am Ende war spätestens im Viertelfinale Schluss.

Das klingt resigniert?

Ich würde das eher Realismus nennen.

Wenn man wie Spanien bei der letzten WM im Elfmeterschießen scheitert, hat das wenig mit Unvermögen zu tun.

Ist das so? Auch das Elfmeterschießen gehört zum Fußball. Auch das hat etwas mit Können zu tun.

Gefällt Ihnen, was Sie zurzeit bei den Spaniern sehen?

Sehr sogar. Neben Argentinien sind sie für mich die spielstärkste Mannschaft und die am schwierigsten auszurechnende. Der Ball zirkuliert sicher, selbst auf engstem Raum. Und sie haben Leute dabei, die den anderen Abwehrreihen die Bälle diagonal in den Rücken spielen können. Sehen Sie nur mal genau hin: Bei allen anderen Mannschaften landen 99 Prozent dieser Bälle auf den Köpfen der Verteidiger. Das ist schon stark, was die Spanier zeigen. Aber Vorsicht, jetzt kommen bald die K.o.-Spiele.

Und wie wird sich Spanien dann präsentieren?

Das ist schwierig zu sagen. Diese spanische Mannschaft ist individuell hervorragend besetzt. Zudem haben sie mit Xavi und Fabregas zwei im zentralen Mittelfeld, die nicht nur wissen, wie man den tödlichen Pass spielt, sondern auch, wie man selbst Tore schießt. Für gegnerische Defensivlinien ist das der blanke Horror. Aber sie sind alle jung?

?im Durchschnitt 22,9 Jahre alt?

?und es braucht eine Menge Erfahrung und Nerven, dem Druck eines K.-o.-Spiels Stand zu halten. Was, wenn sie in Rückstand geraten?

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