Unbeherrschtheit auf dem Platz
In England sind die Portugiesen unten durch

"Ist der Ruf erst ruiniert, lebts sich gänzlich ungeniert." Beim portugiesischen Fußballverband sieht man das anders und geht deshalb rigoros gegen die jüngsten Veröffentlichungen in englischen Zeitungen vor. Die hatten nämlich in den letzten Tagen kein gutes Haar an Figo gelassen.

HB MARIENFELD. Nach dem Skandalspiel gegen die Niederlande, einer Flut von Gelben Karten und den Sperren gegen die Spieler Deco und Costinha wird die portugiesische Fußball-Nationalelf von ihrer Vergangenheit eingeholt. Sowohl bei der WM 2002 als auch bei der EM 2000 fiel die "seleccao" zwei Mal durch ihre Unbeherrschtheit auf und wurde dafür zum Teil auch hart bestraft. Diese Vorfälle sowie die Kritik der niederländischen Spieler und ihres Trainers griffen nun englische Medien auf - und zeichneten kein gutes Bild von Englands nächstem Gegner. "Das ist nicht fair", schimpfte Portugals Pressechef Afonso Melo.

Die Mannschaft mit ihren technisch versierten Fußballern, die sich ihren Gegnern oft durch lange Ballzirkulationen entziehen, ist in den letzten drei Jahren zwar ohne Platzverweis über die Runden gekommen. Im laufenden Turnier hat sie aber schon 14 Gelbe und zwei Gelb-Rote Karten gesammelt und damit ihren Teil zum unwürdigen Achtelfinal- Spiel am vorigen Sonntag beigetragen. Zudem bleibt Luis Figos nur mit Gelb geahndeter Kopfstoß gegen den Niederländer Mark van Bommel in unschöner Erinnerung. "Wer von Fair Play spricht, sollte zuerst auf sich schauen", schimpfte Bondscoach Marco van Basten nach der Partie.

Trainer Luiz Felipe Scolari wehrte sich gegen die Kritik. "Portugal hat kein gewalttätiges Team. Aber manchmal wird uns das Image einer undisziplinierten Mannschaft angehängt", meinte der Coach. "Es ist bekannt, was vor vier Jahren passiert ist, aber das ist vorbei und wird nie wieder vorgekommen", sagte Scolari.

Bei der WM in Südkorea/Japan wurden im letzten Gruppenspiel gegen Südkorea die Portugiesen Joao Pinto für ein brutales Foul und Paulo Bento des Feldes verwiesen. Damit war das Ausscheiden besiegelt. Ein Eklat ereignete sich bei der EM 2000 im Halbfinal-Spiel gegen Frankreich. Nach dem Siegtor der Franzosen per Golden Goal kam es zu Tumulten auf dem Platz, Portugals Nuno Gomes erhielt die Rote Karte. Anschließend wurden Nuno Gomes sowie seine Mitspieler Bento und Xavier für mehrere Monate gesperrt.

Die Portugiesen fühlen sich auf dem Weg zu großen sportlichen Taten bei dieser WM ungerecht behandelt. Gegen die Sperre von Spielmacher Deco wurde bei der Fifa ohne Erfolg Protest eingelegt. Die Kritik der Niederländer vor allem an Figo wollte Scolari nicht hinnehmen. "Figo ist nicht Jesus Christus, aber er war korrekter als die Holländer", sagte Scolari.

Und gegen die jüngsten Veröffentlichungen in englischen Zeitungen ging der portugiesische Verband jetzt rigoros vor. Gegen drei Journalisten wurde ein Hausverbot verhängt; in den Pressekonferenzen werden die Fragen englischer Berichterstatter limitiert und nur beantwortet, wenn der Fragesteller seinen Namen und seinen Arbeitgeber nennt. "Wenn das der Respekt ist, den die englische Presse uns entgegenbringt, werden wir ihnen den gleichen Respekt zollen", sagte Pressechef Melo.

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