„Missbrauch der Monopolstellung“
Fifa droht neuer Ticket-Ärger

Die Vergabe der Eintrittskarten für die Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland könnte ein erneutes Nachspiel auf europäischer Ebene haben. Grund ist eine formelle Beschwerde, die zwei Europaabgeordnete nach eigenen Angaben vom Dienstag bei der EU-Kommission eingereicht haben. Sie werfen dem Weltfußballverband Fifa vor, aus dem Geld der Ticketinteressenten zusätzlichen Profit zu schlagen.

HB BRÜSSEL/STRASSBURG. Die Behörde in Brüssel hatte die Fifa-Zahlungsmodalitäten erst im Mai nach Änderungen durch den Verband akzeptiert. Wie der deutsche Abgeordnete Alexander Graf Lambsdorff und sein niederländischer Kollege Toine Manders mitteilten, werden sie bei ihrem Vorgehen vom deutschen Verbraucherschutzverband unterstützt.

Der Sprecher von EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes konnte zunächst nichts Näheres zu der Beschwerde sagen. "Wenn sie eingeht, wird sie selbstverständlich geprüft", erklärte er.

Die Abgeordneten bemängeln, dass Interessenten WM-Tickets im Voraus bezahlen müssten, ohne zu wissen, ob sie zum Zuge kommen. Das Geld jener Fans, die keine Eintrittskarten erhielten, würde zudem erst nach dem Turnier im Juli 2006 zurückerstattet.

"Das bedeutet, dass abgewiesene Antragsteller mehrere Monate lang keinen Zugriff auf ihr eigenes Geld haben. Außerdem wird allen Bewerbern eine nicht- rückzahlbare Gebühr berechnet. Das ist ein Skandal", sagte Menders, der dem EU- Binnenmarktausschuss des Europäischen Parlaments angehört. "Die Verkaufsmethode kann als Missbrauch der Monopolstellung der Fifa charakterisiert werden, zum Schaden der Interessen europäischer Fußballfans", ergänzte Graf Lambsdorff.

Die EU-Kommission hatte im Mai bei der Fifa und dem Deutschen Fußballbund (DFB) eine Regelung durchgesetzt, wonach Fans aus Ländern außerhalb der Eurozone die Karten über ihre Hausbank in ihrer Landeswährung bezahlen können. Ursprünglich wollten die Organisatoren durchsetzen, dass Kunden mit einer Kreditkarte von Mastercard oder über eine teure Euro-Überweisung bezahlen müssen. Dies hatte Verbraucherschutzverbände und schließlich die EU-Kommission auf den Plan gerufen.

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