„Uns Uwe“ Seeler wird 70
Der Reißer

Wo sich die Stars von heute viele Millionen in die Taschen stopfen, wurde „Uns Uwe“ Seeler, der am Sonntag 70 jahre alt wird, zum Synonym des pflichtbewussten Halbprofis im Deutschland des Wirtschaftswunders. Untrennbar verbunden mit der Seele des deutschen Fußballs bleibt der Jubilar aufgrund eines sagenumwobenen Fotos.

HAMBURG. Der Wendepunkt war für den Sommer 1961 vorgesehen. Drei Tage lang versuchten vier smarte Italiener nach allen Regeln des Geschäftes, die Unterschrift von „Uns Uwe“ zu ergattern. In einem Separee des noblen Hamburger Hotels Atlantik, direkt an der Alster, verhandelte Uwe Seeler in eigener Sache ganz alleine. Es ging um den Wechsel vom Hamburger SV, seinem Verein, zu Inter Mailand. Selbst Inters Meistercoach Helenio Herrera saß mit am Verhandlungstisch. Doch einer der größten Transfers der damaligen Zeit scheiterte, auch wenn die Italiener bereit gewesen wären, über eine Million Mark an Seeler zu zahlen. Eine für damalige Verhältnisse exorbitante Summe.

„Es war eine Bauchentscheidung“, sagt Seeler heute. „Die konnten meinen Entschluss einfach nicht fassen, wären auch noch höher gegangen.“

Doch Seeler blieb standhaft. Dieser Charakterzug machte ihn, neben außergewöhnlichen fußballerischen Fähigkeiten, zu einer Legende des deutschen Fußballs, in einem Atemzug zu nennen mit Fritz Walter, Franz Beckenbauer und Gerd Müller. Sonntag wird „der Dicke“, wie ihn Freunde nennen, 70 Jahre alt.

Der Ehrenspielführer der Nationalmannschaft hatte die erste Berührung mit dem runden Lederball förmlich im Krabbelalter. Er zehrte dabei von seinem Vater Erwin, zwischen 1938 und 1949 für den HSV am Ball.

Der Hochbegabte wurde früh protegiert, erster Förderer war der Jugend- und spätere Chefcoach der Rothosen, Günther Mahlmann. 1953 debütierte Seeler als 16-Jähriger in der Ligamannschaft des HSV. Kurz nach der WM 1954 feierte er mit 17 Jahren Länderspielpremiere. Es war der Beginn einer Ära. Den internationalen Durchbruch schaffte Seeler vier Jahre später bei seiner ersten WM in Schweden, drei weitere WM-Teilnahmen folgten. Uwe Seeler absolvierte bis zu seinem Abschied im September 1970 72 Länderspiele, in denen er 40-mal Kapitän war und 43 Tore erzielte.

Untrennbar verbunden mit der Seele des deutschen Fußballs bleibt der Jubilar aufgrund eines sagenumwobenen Fotos. Es geschah in England, Wembley, am 30. Juli 1966. Die englische Nationalmannschaft hatte in einem hart umkämpften Match die deutsche Auswahl mit 4:2 bezwungen und war Weltmeister geworden. Niedergeschlagen schlichen die deutschen Recken mit hängenden Köpfen vom Platz, so auch ihr Kapitän, dessen Konterfei von der königlichen Musikkapelle eingerahmt ist.

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