Unterklassige Vereine
Fußballfans leisten Aufbauhilfe

Angesichts knapper Kassen setzen viele Fußball-Klubs aus der zweiten Reihe auf die Mitarbeit ihrer Anhänger, denn andere Geldgeber können die Vereine oftmals nicht von einem Engagement überzeugen. Damit die Anhänger ihnen das wirtschaftliche Überleben erleichtern, lassen sich die unterklassigen Vereine einiges einfallen.

KÖLN. Darmstadt 98 gegen den SSV Ulm 1846: Im Normalfall würde das Duell der Ex-Bundesligisten gerade einmal 2 500 Zuschauer ins Darmstädter Stadion Am Böllenfalltor locken. Doch am Samstag will 98-Marketingleiter Michael Weilguny dort 14 021 Besucher sehen. Das wäre nicht nur ein neuer Rekord für ein Spiel in der vierten Liga – sondern könnte auch die Darmstädter vor der drohenden Insolvenz retten.

Bis zum 1. April muss Weilguny die Lizenzierungsunterlagen für die kommende Regionalliga-Saison beim Deutschen Fußball-Bund einreichen. Fehlen dann immer noch 400 000 Euro, droht der Zwangsabstieg. Um das Stadion zu füllen, richtet der Klub via Radio und Sonderplakate einen flehenden Appell an die Darmstädter Bevölkerung. Die Aktion „Rekord für die Lilien“ soll rund ein Drittel der benötigten Summe beisteuern. „Wir emotionalisieren unser Umfeld“, sagt Weilguny.

Nicht nur bei Darmstadt 98 sollen die Fans die Haushaltslöcher stopfen. Viele unterklassige Klubs setzen auf die Finanzkraft ihrer Anhänger, denn andere Geldgeber lassen sich bei ihnen selten blicken. „Für einen Drittligisten ist es fast unmöglich, einen überregionalen Sponsor zu finden“, sagt Christian Arbeit, Pressesprecher von Union Berlin. Weiter unten sieht es noch düsterer aus: In der Oberliga, der fünfthöchsten Spielklasse, sorgen die Reserveteams der Bundesligateams für Unmut. „Die bringen keine Fans in die Stadien, und wo keine Fans sind, ist es auch für Sponsoren uninteressant“, sagt Rolf Thiel, beim DFB Staffelleiter der NRW-Liga.

Also lassen sich die Klubs einiges einfallen, damit die Anhänger ihnen das wirtschaftliche Überleben erleichtern – wie etwa Union Berlin. Um auf langwierige Ausschreibung und Generalunternehmer zu verzichten, rief der Verein im Sommer 2008 seine Fans auf, die marode Spielstätte „An der Alten Försterei“ zu sanieren und umzubauen. 1 300 Buddler und Spatenstecher haben auf der Großbaustelle schon Hand angelegt. Täglich sind 20 bis 30 von ihnen im Einsatz – am Wochenende fast doppelt so viele. Identitätsstiftend sei das, sagt Vereinssprecher Arbeit. Und für den Klub mit seinem Fünf-Millionen-Etat habe die Aktion noch einen weiteren Vorteil: „Wenn die Fans gut in den Verein eingebunden werden, lockt das Sponsoren an.“

Auch in Zukunft wolle man „dicht an den Fans sein“, sagt Arbeit. Union war schon im Oktober auf der Jugendmesse „You“ mit einem Stand vertreten. Auch die Aktion „Volle Hütte“ setzt voll auf die Fans: Die verteilen unentgeltlich Handzettel und kleben Plakate, um für das erste Heimspiel von Union im neuen Stadion zu werben. Im April soll es soweit sein.

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