US-Nationaltorwart ist auch am Niederrhein längst ein Superstar
Kasey Keller und das Schlossgespenst

Der in Diensten von Borussia Mönchengladbach stehende US-Torhüter Kasey Keller ist ein typischer Amerikaner - und dann auch wieder nicht.

DORTMUND. Amerikaner sind unkompliziert, sagt man, leger im Umgang, bisweilen ein wenig oberflächlich. Amerikaner haben den Kaugummi populär gemacht, Freizeitkleidung wie Jeans und Sportswear verdanken wir der US-amerikanischen (Pop-)Kultur. Klischees allesamt? "Ja und nein!" möchte man antworten, nachdem man eine Stunde mit Kasey Keller verbracht hat. Ein umgänglicher, lockerer Typ ist er fraglos, der Torwart von Borussia Mönchengladbach und der US-Nationalmannschaft, der wie zum Beweis in Badeschlappen zum Interview erscheint.

Manchmal vielleicht zu locker, wie kürzlich, als er nach dem 2:0-Heimsieg seiner Borussia über Köln gemeinsam mit Teamkamerad Jeff Strasser im Überschwang übers Stadionmikrofon die gegnerischen Fans mit Schmähgesängen ärgerte (und dafür mit einer Geldstrafe belegt wurde).

Schnee von gestern, was einem vielmehr unmittelbar auffällt, ist Kellers äußerst klares US-Englisch, seine deutliche Akzentuierung, die sich vom typischen Kaugummi-Gebrabbel anderer US-Sportler wohltuend abhebt. Was auch daran liegen mag, dass der Mann ein studierter Soziologe ist und damit aus der (Fußballer-)Art schlägt. Und es zeigt sich, dass es eine Freude ist dem Mann zuhören, weil er wirklich etwas zu erzählen hat zum Thema Fußball.

Fragt man den WM-Teilnehmer von 1990, 1998 und 2002 etwa danach, was er über die aktuelle Krise der deutschen Nationalmannschaft denkt, dann schüttelt er nur den Kopf. "Krise, welche Krise? Man hat ein Spiel verloren, in Italien, noch dazu lediglich ein Freundschaftsspiel", wundert sich Keller. "Es gibt Momente, etwa kurz vor einer WM, wo es für eine Mannschaft - noch dazu den Gastgeber, der keine Pflichtspiele auszutragen hat - nichts Besseres gibt, als ein schlechtes Resultat. Wie oft hat man im Vorfeld einer WM Teams gesehen, die alles in Grund und Boden gespielt haben...und dann in der ersten Runde rausgeflogen sind." Er benutzt ein deutsches Wort: "Ein bisschen von dem, was ihr Deutschen ?Angst? nennt, kann nicht schaden, um den Druck aufzubauen, der nötig ist für eine erfolgreiche Weltmeisterschaft", rät er.

Und vielleicht muss man tatsächlich wie Keller aus einem Land kommen, das den Fußball nun nicht gerade erfunden hat, um über die (Medien-)Hysterie im Fußball-Deutschland der letzten Wochen ein wenig zu lächeln. Sicher, das Lächeln fällt Keller umso leichter, wenn er auf die aktuelle Fifa-Tabelle schaut, die das einstige Fußball-Entwicklungsland USA auf fünf, den dreifachen Weltmeister Deutschland aber nur auf 22 führt. Für den 36-Jährigen eine Momentaufnahme ohne allzu großen Aussagewert. "Dieses System hat seine Tücken, auch wenn wir das natürlich ganz gerne sehen ", hält der Gladbacher den Ball flach. "Es müsste schon zeitnah jeder gegen jeden spielen, damit das eine wirkliche Aussagekraft hätte. Zudem hat Deutschland das Problem, das Freundschaftsspiele nun mal anders bewertet werden, als Pflicht- sprich Qualifikationsspiele. Die USA hatten 18 Qualifikationsspiele, sechs mehr als die europäischen Teams, und konnten mehr Punkte als etwa Italien oder Portugal sammeln."

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