Utensil
Kanada schickt Pfeifen zur WM

Das Fußballland Kanada ist zwar bei der Weltmeisterschaft nicht dabei. Präsent ist das Land in den deutschen WM-Stadien trotzdem. Pfeifen aus Kanada werden bei der WM in Deutschland den Ton angeben.

HAMILTON. Es war ein heißer Julitag 1976, der Tag des Basketballfinales der Olympischen Spiele von Montreal. Für den damals 30-jährigen Kanadier Ron Foxcroft ging ein Traum in Erfüllung: Er durfte als Schiedsrichter das Finale zwischen den USA und Jugoslawien pfeifen. Dann passierte es: Ein US-Spieler wurde in Korbnähe für jeden sichtbar mit einem Ellbogencheck gefoult. Reaktionsschnell blies Foxcroft kräftig in die Pfeife - und sie versagte. Kein Ton. Stille. Die Kugel blieb im Schlitz der Trillerpfeife stecken. 18 000 Menschen im Montrealer Forum tobten vor Entrüstung. Aber das Spiel ging weiter.

30 Jahre später hat das Fußballland Kanada zwar wieder einmal die Qualifikation für die Fußball-WM verspielt, ist aber trotzdem in den deutschen WM-Stadien präsent: Pfeifen aus Kanada werden bei der WM in Deutschland den Ton angeben. Ron Foxcroft aus Hamilton am Ontariosee hat sie erfunden - kugellos, damit sie in jeder Situation funktionieren.

Er erinnert sich an Montreal. "Im Basketball geht alles so schnell. Man hat keine Zeit zum Nachdenken, man muss reagieren. Ich reagierte, aber niemand nahm es zur Kenntnis", erzählt Foxcroft heute. Aus seinem großen Traum wurde ein Alptraum.

Seit jenem Tag wünschte sich Foxcroft eine Pfeife, auf die Verlass ist. Der Trillerpfeife mit dem Kork- oder Gummikügelchen - auf englisch "pea" oder Erbse genannt - vertraute er nicht länger. "Wenn man zu stark in eine solche Pfeife bläst, können zwei Dinge passieren: die Kugel fliegt nach oben und bleibt im Schlitz stecken, oder die Seitenwände fliegen raus. Je stärker man bläst, umso anfälliger ist sie."

Genauso war es auch 1984 in Sao Paulo, als Foxcroft ein Länderspiel zwischen Brasilien und Uruguay pfiff. Wieder blieb die Kugel stecken und der Pfiff blieb aus. "Die Zuschauer drehten durch. Es dauerte 20 Minuten bis ich das Spiel wieder anpfeifen konnte", erzählt er. "Damals sagte ich zu mir: Jemand muss eine Pfeife entwerfen, die nicht versagt. Und das bin ich."

Seite 1:

Kanada schickt Pfeifen zur WM

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%