Vereinschef träumt schon wieder von der Champions League
„Moggiopoli“ und die Folgen

Nach dem Zwangsabstieg steht Juventus Turin kurz vor dem Wiederaufstieg. Die Planungen für die nächste Saison laufen bereits auf Hochtouren, ein neuer attraktiver Sponsorenvertrag und die ersten Spielerverpflichtungen perfekt. Der Manipulationsskandal aber wirkt nach.

CESENA. Ein Mann, Anfang Vierzig, eilt im Strom der Menge auf das Fußballstadion in Cesena zu. Auf seinen Schultern sitzt ein Junge, der vielleicht fünf Jahre alt sein mag und das schwarz-weiß gestreifte Trikot von Juventus Turin trägt. Als die beiden die umdrängten Piadina-Stände vorm Eingang passieren, hallt ihnen der gellende Ruf einer Frau nach: „Lehrt eure Kinder ruhig schon im jungen Alter, wie man stiehlt!“

Der Mann zuckt kurz zusammen, dann beschleunigt er den Gang, ohne sich umzudrehen. Nur der Junge im Juve-Trikot schaut, woher der Ruf kam. In seinem Blick liegt Irritation und Unverständnis.

Verständlicherweise. Was weiß ein Fünfjähriger schon von „Moggiopoli“, dem größten Manipulationsskandal in der Geschichte des italienischen Fußballs? Warum sollte ihn verwundern, dass seine Helden – Del Piero, Buffon, Nedved – nicht im Meazza-Stadion gegen Inter, sondern in der italienischen Provinz kicken? Vier Tage zuvor in Frosinone und an diesem Abend im „Stadio Comunale Dino Manuzzi“ gegen AC Cesena.

Vermutlich hat der Junge nicht einmal von Luciano Moggi gehört, dem ehemaligen Generaldirektor von Juve, der als Drahtzieher des nach ihm benannten Skandals gilt. Acht Monate lang hatten neapolitanische Staatsanwälte seine Telefone abgehört – rund 100 000 Telefonate, das sind fast 500 pro Tag. Vor einem Jahr erfuhr dann die Öffentlichkeit, dass Moggi in den Spielzeiten 2004/05 und 2005/06 zahlreiche Begegnungen der Serie A manipuliert hatte.

Moggi wies Schiedsrichter an, Platzverweise auszusprechen, und sagte Linienrichtern, wann sie Abseits zu pfeifen hätten. Den Trainern gegnerischer Mannschaften diktierte er die Aufstellung, und er soufflierte Journalisten seine Ansichten. Wer gehorchte, wurde mit wertvollen Uhren, Motorrädern oder Bordellbesuchen belohnt. Wer sich widersetzte, bekam den weit reichenden Einfluss Moggis zu spüren.

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