Verhaltensvorschriften für Stadion-Anwohner
Schwindel-Flugblatt stellt Fifa-Vorschriften bloß

Die Fifa hat im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft allerhand bizarre Werbevorschriften erlassen, um die Rechte ihrer Partner zu wahren. So verwundert es nicht, dass in Köln auch dieser Verhaltenshinweis für bare Münze genommen wurde: "Vermeiden Sie das Nachsingen oder Pfeifen von Werbemelodien der Nicht-Sponsoren."

KÖLN. Zahlreiche Kölner Bürger rieben sich diese Woche verwundert die Augen, als sie ein zweiseitiges Schreiben mit dem Briefkopf des Kölner Büros des WM-OK in ihrem Briefkasten fanden. In einer Checkliste werden Anweisungen für das Verhalten im bereits vielfach als "Bannmeile" gegeißelten Bereich rund um das Stadion gegeben.

So soll, heißt es auf dem Infoblatt, das öffentliche Tragen von Bekleidung mit Markenzeichen der Nicht-Sponsoren genauso vermieden werden wie das zur Schau stellen von Lebensmitteln auf dem Nachhauseweg vom Einkauf. Außerdem sollen die Fußball-Fans dem Schreiben zufolge während Werbesendungen von Nicht-Sponsoren ihre Fenster geschlossen halten. "Das ist natürlich alles Quatsch", sagt Dieter Sanden, Leiter des Sportamtes der Stadt Köln. Dort standen die Telefone am Mittwoch nicht still, zahlreiche Bürger hätten das Schreiben ernst genommen und ihrem Unmut Luft gemacht.

"Da hört für uns dann der Spaß auf", ärgert sich Sanden über den unbekannten Scherzbold, der sich anscheinend richtig Mühe gemacht hat. Denn der Wortlaut des kuriosen Schreibens befindet sich auch auf einer Internetseite, die nahezu identisch mit der offiziellen Kölner WM-Seite ist. "Wir haben das Rechtsamt der Stadt eingeschaltet und werden nun überprüfen, ob wir wegen Amtsanmaßung Anzeige gegen Unbekannt stellen", erklärte Sanden im Gespräch mit Handelsblatt.com.

Das Schwindel-Flugblatt in Köln ist kein Einzelfall, in Dortmund sorgte ein ähnliches Schreiben für Aufregung. Dort hieß es sogar, die Stadt würde eine Zugangsgebühr in Höhe von zehn Euro für das Betreten des Sicherheitsrings rund am das Stadion erheben. Auch dort hätten viele Anrufer dem authetisch wirkenden Papier Glauben geschenkt.

Beim WM-Organisationskomitee sieht man die Sache gelassen. "Da will sich mal wieder jemand auf Kosten der Fifa profilieren", sagte Pressesprecher Jens Grittner gegenüber Handelsblatt.com und betont: "Es geht der Fifa nicht darum, die Leute zu traktieren oder einzuschränken."

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