Verkauf des AC Mailand im Visier Fußball, Berlusconi und ein böser Verdacht

Der Verkauf des AC Mailand soll nur ein Scheingeschäft gewesen sein. Nach einem Hinweis der Finanzpolizei erwägt die Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen möglicher Geldwäsche. Silvio Berlusconi bestreitet alles.
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Der italienische Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi wehrt sich: „Dass wir den Verkauf des AC Milan dazu genutzt haben sollen, um Gelder von uns aus dem Ausland zurück nach Italien zu holen, ist nicht wahr. Ich dementiere.“ Quelle: dpa
Silvio Berlusconi

Der italienische Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi wehrt sich: „Dass wir den Verkauf des AC Milan dazu genutzt haben sollen, um Gelder von uns aus dem Ausland zurück nach Italien zu holen, ist nicht wahr. Ich dementiere.“

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RomWenn sich Silvio Berlusconi angegriffen fühlt, ist er ganz der Kämpfer wie früher, trotz seiner 81 Jahre. „Jedes Mal, wenn Wahlkampf ist und sich mein Sieg abzeichnet, erfinden die irgendwas, um mir zu schaden“, schimpfte der Medienmogul und dreimalige Premier am Sonntag zur besten Sendezeit in der Fernsehshow eines Senders seines Unternehmens Mediaset.

„Dass wir den Verkauf des AC Milan dazu genutzt haben sollen, um Gelder von uns aus dem Ausland zurück nach Italien zu holen, ist nicht wahr. Ich dementiere.“ Seine älteste Tochter Marina, die die Familienholding Fininvest leitet, der der Club gehörte, sagte, sie sei empört und bestürzt. Berlusconis Anwalt Niccolò Ghedini erklärte: „Das ist eine falsche Nachricht und eine politische Aggression, wir werden reagieren.“

Noch ist es nur ein Verdacht auf Geldwäsche. Doch der Fall wird in Italien von Tag zu Tag größer. An diesem Dienstag kam die Bestätigung, dass die Staatsanwaltschaft von Mailand Unterlagen von der Finanzpolizei erhalten hat, die von verdächtigen Elementen des Deals schreibt. Jetzt prüft die Staatsanwaltschaft. Am Wochenende, als erste Meldungen zum Fall kamen, hatte der Chef der Behörde das noch bestritten.

Die Affäre ist besonders brisant, weil sie mitten im Wahlkampf hochkocht. Am 4. März wird ein neues Parlament gewählt, und Berlusconis Partei „Forza Italia“ hat zusammen im Bündnis mit der populistische Lega Nord und einer Rechtspartei gute Chancen. Und dass, obwohl Berlusconi gar nicht als Spitzenkandidat antreten kann. Denn er ist rechtskräftig verurteilt wegen Steuerbetrugs bei seinem Konzern Mediaset – es ging dabei um den Verkauf von TV-Rechten. Bis 2019 darf er kein politisches Amt ausüben.

So ist der Stand bis jetzt: Im April 2017 verkaufte Berlusconi den Erstligisten zum Preis von 740 Millionen Euro an den chinesischen Investor Yonghong Li. Schon damals hieß es, der Preis sei zu hoch. Der Verein, dessen Besitzer Berlusconi 31 Jahre lang war, hatte zwar einen glorreiche Vergangenheit mit acht Meistertiteln, acht Teilnahmen an Champions-League-Finalen und fünf Titeln. Die sportlicher Performance war in den letzten Jahren jedoch deutlich eingebrochen. Heute stehen die „rossoneri“, die Rotschwarzen, auf Platz elf der Serie A, der ersten Liga in Italien, und sind damit weit weg von einer Teilnahme an einem europäischen Wettbewerb.

Es war die Turiner Tageszeitung „La Stampa“, die exklusiv die Geschichte brachte, dass beim Verkauf des AC Mailand Geldströme verschleiert worden seien. Postwendend kam die wütende Reaktion Berlusconis. Die großen Fragen: Welchen Weg ist das Geld gegangen? Und ist es über Steuerparadiese zurück nach Italien gekommen?

Bis jetzt weiß man, dass die erste Tranche des Verkaufs von 300 Millionen Euro über eine 2016 in Hongkong gegründete Gesellschaft gelaufen sein soll, dessen Eigentümer nicht bekannt ist. Von dort ging das Geld über Briefkastenfirmen auf den britischen Virgin Islands und in Liechtenstein nach Luxemburg auf das Konto der Firma „Rossoneri Sport Investment Luxembourg“, die einer anderen Briefkastenfirma in Luxemburg gehört, der „Rossoneri Champion Investment Luxembourg“. Das hatte ein Abgeordneter der Fünf-Sterne-Bewegung, einer europaskeptischen Partei, in einer parlamentarischen Anfrage geschrieben. Seit Dezember prüft der Mailänder Staatsanwalt Fabio De Pasquale die Vorwürfe.

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