Verkaufsgerüchte
Berlusconis Firma hält an AC Milan fest

Berlusconis Familienholding Fininvest muss nach einem Korruptionsskandal rund 750 Mio. Euro Schadensersatz an die Konkurrenz zahlen. Nun spekulieren italienische Zeitungen, dass die Strafe mit einem Verkauf des AC Mailand beglichen werden soll. Noch dementiert Berlusconi die Gerüchte.

MAILAND. Mit den Schwierigkeiten des italienischen Ministerpräsidenten und Unternehmers Silvio Berlusconi nehmen auch die Spekulationen über den Verkauf des von ihm kontrollierten Fußballklubs AC Mailand wieder zu. Gestern berichtete die Sporttageszeitung „Gazzetta dello Sport“, dass Berlusconi mit dem albanischen Erdöl-Unternehmer Rezart Taci verhandele. Der 38-jährige Taci, der gute Beziehungen zu Berlusconi haben soll, war schon als Käufer anderer Vereine im Gespräch.

Berlusconis Familienholding Fininvest, zu der der AC Mailand gehört, hat den Bericht kategorisch dementiert: „Es gibt keinerlei Pläne über den Verkauf – weder total noch teilweise – der Anteile am AC Mailand“, teilte Fininvest mit. Dennoch halten sich die Gerüchte hartnäckig.

Anlass ist ein Gerichtsurteil, das Fininvest am vergangenen Samstag zu einer Schadensersatzzahlung in Rekordhöhe verdonnert hat. Die Berlusconi-Holding soll dem Konkurrenten Cir von Carlo De Benedetti 750 Mio. Euro zahlen. Grund ist der Vorwurf, vor fast zwanzig Jahren einen Richter bestochen zu haben, um den Zuschlag bei der Übernahme eines Verlags zu erhalten. Der Wert des AC Mailand wird auf 700 Mio. Euro geschätzt. Mit dieser Summe könnte Fininvest fast die komplette Strafe begleichen.

Für Berlusconis Holding sind die 750 Mio. Euro tatsächlich ein schwerer Schlag und entsprechen dem Sechsfachen des Nettogewinns des vergangenen Jahres. Dennoch könnte Fininvest dank glänzender Geschäfte in den vergangenen Jahren die Summe fast komplett aus liquiden Mitteln zahlen. Hinzu kommt, dass die Familienholding gegen das Gerichtsurteil in Berufung geht und der Schadensersatz in nächster Instanz deutlich niedriger ausfallen könnte.

Es sind aber nicht nur die Gerichtsurteile, welche die Spekulationen über einen Verkauf des AC Mailand anheizen. Auch Berlusconi selbst hat dazu beigetragen, etwa als er nach der 0:1-Niederlage gegen den FC Zürich in der Champions League sagte: „Dieses Milan ist ein Desaster.“ Auch die Tatsache, dass er den brasilianischen Top-Spieler Kaká für knapp 70 Mio. Euro an Real Madrid verkauft hat, haben ihm die Fans bis heute nicht verziehen.

Berlusconi ist zwar über seine Holding noch Besitzer des Klubs, aber den Posten des Präsidenten hat er seit seinem Amtsantritt als Premierminister vakant gelassen. Stattdessen sind nun seine Kinder für die Geschicke des AC Mailand zuständig. Und die scheinen weniger bereit, die jährlichen Finanzlöcher mit eigenem Geld zu stopfen, wie es Berlusconi in der Vergangenheit getan hat. So mancher Beobachter deutet das als Zeichen, dass die Familie Abstand nimmt.

Was gegen den Verkauf spricht: Der AC Mailand hat dem zum Politiker gewandelten Unternehmer Berlusconi über die Jahre viele Wählerstimmen garantiert. Sollte er den Verein verkaufen, könnte sich das negativ auf die Zustimmung bei den nächsten Wahlen auswirken.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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