Verletzungen im Fußball
Die Bundesliga ist ein großes Lazarett

Ermüdungsbrüche, Verletzungspausen und Depressionen: Die Debatte um Überbelastung im Fußball nimmt kein Ende. Experten sehen die Grenzen überschritten. Einer, der es wissen muss, ist jedoch nach langer Pause wieder da.
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KölnWeltmeister sind offenbar besonders anfällig für Verletzungen. Gerade hat sich Philipp Lahm den Fuß gebrochen. Mesut Özil fällt noch wochenlang aus. Und auch Bastian Schweinsteiger hat bereits einige Monate nicht mehr gespielt.

Doch nun ist wenigstens „Basti“ zurück, Trainer Pep Guardiola berief den 30-Jährigen nach 132 Tagen Pause für das Spiel gegen Hoffenheim erstmals wieder in den Münchener Kader. Seit dem WM-Finale am 13. Juli laborierte Schweinsteiger an einer langwierigen Patellasehnen-Verletzung. Der Mittelfeldstratege ist damit zu einem Symbol geworden – zum Inbegriff einer Debatte um dumme Ermüdungsbrüche, lange Verletzungspausen, unnötige Länderspiele und viel zu viele Spiele.

Klar, erfolglose Trainern und ratlose Managern befeuern die Debatte gerne. Manche halten sie dagegen für „total überzogen“, wie Kevin Großkreutz, der aber auch seit Wochen nicht mehr in der ersten Elf der Dortmunder steht. Klar ist: Fast alle Bundesliga-Vereine klagen über Verletzte, in einigen Vereinen sind es mehr als ein halbes Dutzend, wie bei den Bayern. Andere haben nur zwei oder drei Ausfälle.

Die Belastung ist hoch. Manchmal werden sieben Partien in drei Wochen gespielt. Besonders wer in internationalen Wettbewerben antritt und zudem Nationalspieler ist, bewältigt ein Hammerprogramm. Und das schon in jungen Jahren. Kein Wunder also, dass es auch Jungstars immer häufiger trifft, wie die Schalker Allzweckwaffe Julian Draxler und den Münchener Defensiv-Allrounder David Alaba. Sie werden dieses Jahr nicht mehr spielen.

Gesund sei die Belastung eines Fußballprofis nicht, sagt der Kölner Trainingswissenschaftler Markus de Marees. Bei bis zu 72 Spielen seien für einige Athleten bereits Grenzen überschritten. Er stellt klar: „Englische Wochen zu haben, ist aus körperlicher Sicht sicherlich machbar, aber es muss dann auch richtig erholt werden.“

Der Sportpsychologe Jens Kleinert ergänzt: „Entscheidend ist auch die psychische Regeneration eines Fußballers nach dem Spiel.“ Ärgere sich ein Spieler noch zwei Tage über ein Spiel, beeinflusse das seine Regeneration negativ. Es komme aber auf den einzelnen Spieler an, und wie er mit der Belastung klarkomme. „Das richtige Regenerationsverhalten ist erlernbar“, sagt Kleinert.

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