Vernehmung durch Staatsanwaltschaft
Wettaffäre könnte Buffon die WM kosten

Gianluigi Buffon droht das vorzeitige WM-Aus. Der 28 Jahre alte Keeper von Juventus Turin musste aus dem Traininglager der "Squadra Azzurra" abreisen und wurde wiederholt von der Staatsanwaltschaft vernommen.

Gianluigi Buffon vom italienischen Meister Juventus Turin musste das Trainingslager der italienischen Nationalmannschaft verlassen und wurde von der Staatsanwaltschaft in Parma zum wiederholten Male vernommen. Im schlimmsten Fall droht dem 28-Jährigen, der im Verdacht steht, sich an illegalen Wetten beteiligt zu haben, der Ausschluss von der WM in Deutschland (9. Juni bis 9. Juli).

"Ich erlebe eine schreckliche Zeit"

Buffon war bereits vor zehn Tagen in Turin befragt worden. Der teuerste Fußball-Goalie der Welt wird beschuldigt, über Strohmänner hohe Summen auf bestimmte Spiele gesetzt zu haben. "Ich erlebe eine schreckliche Zeit", klagte Buffon. Die Ermittler stellten offenbar fest, dass Buffon in den vergangenen Monaten 10 000 Euro auf das Konto eines Freundes, Paolo Pelizzoni, überwiesen hatte. Pelizzoni zählt zu vier Verdächtigen, gegen die die Staatsanwälte wegen illegalen Wetten ermitteln.

Buffon hatte bei der ersten Befragung zugegeben, Geld (laut den Ermittlern insgesamt 1,6 Mill. Euro) auf ausländische Spiele gewettet zu haben. Er habe jedoch niemals gegen seinen Klub Juventus Turin gewettet.

Weitere Spieler unter Verdacht

Neu auftauchende Hinweise auf illegale Wett-Tätigkeiten einer ganzen Reihe von Profis sorgen für Unruhe in Italien. Neben Buffon und Vincenzo Iaquinta (Udinese Calcio) tauchten auch die Namen Marek Jankulovski (AC Mailand), David Di Michele (FC Palermo), Roberto Sosa (SSC Neapel) und Marco Ferrante (Ascoli Calcio) auf. Den Spielern droht eine bis zu einjährige Haftstrafe und eine anderthalbjährige Sperre.

Schwerstarbeit für die Staatsanwaltschaft

Schwerstarbeit hat auch die Staatsanwaltschaft im Manipulationsskandal zu verrichten. Nachdem die Steuerfahndung vergangene Woche die Geschäftsstelle des Rekordchampions Juventus durchsucht hat, nimmt der Turiner Staatsanwalt Bruno Tinti die Bilanzbücher von insgesamt 71 Klubs der italienischen Hauptligen unter die Lupe. Der Verdacht auf Bilanzfälschung und Steuerbetrug lastet auf 16 der 18 Klubs der Serie A, darunter die wie Juventus börsennotierten Vereine Lazio Rom und AS Rom.

Untersucht werden auch die Verträge von 41 Profis ein Großteil der Transfers von Juve-Spielern in den letzten fünf Jahren. Die verdächtigen Klubs sollen in den Bilanzen den Wert von Spielern völlig überhöht angegeben haben, um so die Überschuldung der börsennotierten Vereine zu vertuschen und Schwarzgelder annehmen zu können. Zu den Verträgen, die die Staatsanwälte genau kontrollieren, zählt auch jener des französischen Welt- und Europameisterse Zinedine Zidane, der 2001 von Juventus Turin für 58 Mill. Euro an Real Madrid verkauft worden war.

Ausländische Schiedsrichter in der Serie A?

Der kommissarische Präsident des italienischen Fußballverbandes Figc, Guido Rossi, will zudem nach dem ausgedehnten Schiedsrichterskandal in Italien ausländische Referees für die Spiele der italienischen Serie A rekrutieren. Da mehrere Schiedsrichter in den Sog der Affäre geraten sind und bald gesperrt werden könnten, gilt auf dem Apennin die Anheuerung ausländischer Unparteiischer als logische Schlussfolgerung. So könnte der deutsche Star-Schiedsrichter Markus Merk (Otterbach), der Welt-Referee des Jahres, bald in Italien pfeifen.

Zu den Skandalschiedsrichtern zählt auch Massimo De Santis (44), dessen WM-Nominierung nach der Aufdeckung des Skandals zurückgezogen wurde. Der Vorschlag Rossis, ausländische Referees in Italien pfeifen zu lassen, soll in den kommenden Tagen besprochen werden.

© SID

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