Versuchter Schiedsrichter-Selbstmord
Rafatis Motiv liegt wohl im Privatleben

Bundesliga-Schiedsrichter Babak Rafati sucht nach seinem Selbstmordversuch und seiner Entlassung aus dem Krankenhaus in Köln professionelle Hilfe in stationärer Behandlung. Zugleich kommt bei der Suche nach dem Motiv für seinen Suizidversuch etwas Licht ins Dunkel.
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KölnDie Auslöser für seine Todessehnsucht scheinen nicht im Fußball zu liegen. Das ergeben die jüngsten Ermittlungen der Kölner Polizei. Vielmehr soll der Grund für die Verzweiflungstat des 41-Jährigen im privaten Bereich liegen. Das berichtet die „Kölnische Rundschau“ in ihrer Online-Ausgabe. Darauf wiesen die im Kölner Hotelzimmer des Unparteiischen gefundenen Notizen hin, berichtet die Zeitung. Sie zitiert einen Ermittler mit den Worten, Rafati habe seinen Aufzeichnungen zufolge aus „persönlichen Gründen“ aus dem Leben scheiden wollen. „Es geht nicht um Überforderung im Fußball“, sagte der Polizist laut „Kölnischer Rundschau“ weiter. Auch eine Verwicklung in eine Straftat komme als Motiv für den Suizidversuch nicht infrage. Die Kölner Polizei wollte sich auf Nachfrage nicht zu den Motiven äußern.

Zuvor hatte der Sportinformationsdienst (sid) berichtet, dass für den Selbstmordversuch Rafatis eine Verstrickung in Geschäfte der Wettmafia als Motiv ebenso ausscheide wie ein Zusammenhang mit dem Steuerskandal. In Justizkreisen gebe es keine Indizien dafür, dass Rafati im Gegensatz zu einem früheren Fifa-Schiedsrichter „in irgendeiner Weise“ mit einem Wettskandal zu tun habe. Sein Name sei bei Ermittlungen und Zeugenaussagen nirgendwo aufgetaucht.

Der Name Rafiti stehe, berichtet die Agentur unter Berufung auf gut informierte Kreise, auch nicht auf der Liste der vom Steuerskandal betroffenen Referees. Die Fahnder haben ingesamt 70 aktive und ehemalige Unparteiische des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ins Visier genommen. Angeblich sollen manche der Beschuldigten Einnahmen von mehr als 100.000 Euro an den Finanzbehörden vorbeigeschleust haben, vor allem für die Leitung internationaler Spiele.

Rafati war am Samstag im Kölner Hyatt-Hotel mit aufgeschnittenen Pulsadern aufgefunden worden. Ursprünglich sollte der 41-Jährige das Bundesliga-Spiel zwischen dem 1. FC Köln und Mainz 05 leiten. Die Begegnung wurde kurzfristig abgesagt. Sie soll nach Angaben der Deutschen Fußball Liga (DFL) noch in dieser Woche neu terminiert werden.

Wie der Deutsche Fußball-Bund (DFB) am Montag mitteilte, habe sich Rafati nach seiner entlassung aus dem Krankenhaus in Köln erneut in stationäre Behandlung begeben. Nach Angaben seines Anwaltes habe er sich dazu entschlossen, da „ein bei ihm diagnostiziertes Krankheitsbild, diesen Schritt erforderlich erscheinen lasse“. Wie lange diese Behandlung andauern soll, sei derzeit noch nicht absehbar. Erst kurz zuvor war Rafati aus dem Krankenhaus in Köln entlassen worden und wieder in seine Heimatstadt Hannover zurückgekehrt. Laut DFB dankte der 41 Jahre alte Referee dem Verband für „die spürbare Unterstützung“ und formulierte den Wunsch, „in enger Anstimmung mit dem DFB die Vorgangänge ganz in Ruhe aufarbeiten“ zu wollen. Dazu erbat Rafati sich „vor allem Zeit und Geduld“.

Kurz zuvor hatte der DFB erklärt, man wolle sich zum Selbstmordversuch von Rafati erst bei neuen Erkenntnissen wieder zur Thematik äußern. „Erst wollen wir abwarten, bis wir mehr über die Gründe wissen und es Babak besser geht. Dann werden wir uns zu gegebener Zeit äußern“, sagte Schiedsrichter-Chef Herbert Fandel (Kyllburg). Zudem gebe es intern eine Absprache zwischen den im Verband für die Belange der Bundesliga-Schiedsrichter zuständigen Personen, dass sich nur Fandel in der Öffentlichkeit zu diesem Thema äußern werde.

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