Verwalter des WM-Rasens
Der Rasenflüsterer

Der Rasen soll's nicht Schuld gewesen sein! Wenn im Juni die Fußballstars aus aller Welt in den deutschen Stadien über den Boden laufen, sollen sie beste Voraussetzungen vorfinden. Rasenspezialist Rainer Ernst gibt Einblicke in sein Geheimrezept.

HB FRANKFURT/MAIN. An geheimen Orten wächst derzeit der Rasen für die Fußball-WM im Juni heran. Die zarten Halme sollen ganz ungestört bleiben. "Leute dürfen da jetzt nicht drüberlaufen", sagte Rasenspezialist Rainer Ernst. Der gelernte Gärtner und Landschaftsarchitekt sorgt zur WM für optimale Spielfelder. Seit Jahren betreut Ernst den Rasen in zahlreichen Fußball-Stadien im In- und Ausland, unter anderem zum Confederations-Cup im vergangenen Jahr. Den Beinamen "Rasenflüsterer" hört er nicht ungern.

Die Geheimhaltung sei nicht nur zum Schutz des Grüns vor mutwilliger Zerstörung nötig, sondern auch vor allzu großer Verehrung der Fußball-Fans: "Sie glauben gar nicht, wie viele Verrückte es gibt", sagte Ernst. Nur eine Handvoll Menschen kenne die Flächen. "Manch einer ist schon vorbeigegangen, ohne es zu wissen." Ausgesät wurde der Rasen schon vor 13 Monaten. Ernst schaut regelmäßig nach, ob alles nach Wunsch wächst.

In der zweiten Mai-Woche wird der WM-Rasen mit Wurzeln abgeschält, in 1,20 Meter breiten Streifen aufgerollt und in den Stadien verlegt. Zur WM sei eine ganz neue Sorte aus 75 Prozent Wiesenrispe und 25 Prozent Weidelgras zusammengestellt worden, sagte Ernst. Auch die Spezialmischung des Original-Rasens sei noch geheim. 100 000 bis 120 000 Euro koste das neue Grün pro Stadion inklusive Entfernen des alten Rasens.

Bis zum WM-Anpfiff wird der Rasen intensiv betreut und überwacht: Für das Anwachsen bleibe genug Zeit, aber schon durch das Gewicht der 35 Millimeter dicken Rasenrollen werde er fest am Boden liegen, versichert Ernst. Beim Düngen komme es auf Fingerspitzengefühl an. "Nur das Nötigste" ist die Devise der Rasenexperten. In kleinen Gaben werden Stickstoff, Eisen und Kalium zugesetzt, um den Pflanzen Stabilität zu geben.

Mit gewöhnlichem Rasen für den Hausgarten haben die Fußball- Spielfelder nichts zu tun. Mit dem Untergrund fängt es an und dabei ist die Durchlässigkeit am wichtigsten: Auf einer Kies-Sand-Schicht liegen in 25 Zentimeter Tiefe viele Kilometer Heizungsleitung. Darüber eine Schicht sauberer Sand und darauf die so genannte Rasentragschicht aus Oberbodenschicht und noch einmal Sand. Erst darauf kommt der grüne Rollrasen.

Neben dem Rasen in den Stadien betreut Ernst zur WM auch noch mehr als 60 Trainings-Plätze, die allerdings nicht alle einen neuen Rasen bekommen. In jedem Austragungsort gebe es zwei kleinere Stadien, wo die Teams sich aufwärmen und trainieren können. Auch an den Orten der Mannschafts-Quartiere werden Trainingsplätze bereit gehalten, in Neu- Isenburg bei Frankfurt können die Schiedsrichter auf eigenem Platz ihr Lauftraining absolvieren.

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