VfL Wolfsburg
Veh kämpft mit dem Magath-Schatten

Pfiffe von den Rängen und die in der ganzen Liga beliebte Forderung: "Trainer raus!" Beim deutschen Fußball-Meister hat sich eine eigenartige Diskussion um Armin Veh entwickelt.

dpa WOLFSBURG. Die Saison ist noch jung, der VfL Wolfsburg liegt in der Fußball-Bundesliga knapp hinter der Spitze und - vor dem Spiel bei Besiktas Istanbul - auch in der Champions-League aussichtsreich im Rennen. Trotzdem muss sich den Übungsleiter Kritik von den Rängen gefallen lassen, weil der VfL nicht gerade meisterlich auftritt. Und nun muss der Verein auch noch Meldungen dementieren, dass Dieter Hoeneß als Manager des VfL im Gespräch ist.

"Da ist nichts dran", sagte VfL-Geschäftsführer Jürgen Marbach in Istanbul. "Das ist völliger Quatsch.". Über Hoeneß sei im Verein nicht gesprochen worden. Marbach ist beim VfL für Organisation zuständig. Für das sportliche Management ist Veh verantwortlich. Wie sein Vorgänger Felix Magath arbeitet Veh als Trainer, Manager und Geschäftsführer. Eine Verpflichtung von Hoeneß, der zuletzt mehr als zehn Jahre bei Hertha BSC beschäftigt war, käme daher einer Entmachtung von Veh gleich.

Zuletzt war beim jüngsten Pflichtspiel auf einem Transparent zu lesen: "Veh 1 Vehler". Diese Ansicht ist zwar die Meinung einer Minderheit, doch die Stimmung kann im Fußball schnell kippen. Am Tag nach dem verschenkten Sieg gegen Aufsteiger Mainz (3:3) musste Veh sich im Anschluss an das Training der Diskussion mit verärgerten Anhängern stellen. Die Fans klagten: Das Team sei nicht mehr so fit wie unter Magath, viele Stars liefen ihrer Form hinterher, und das von Veh geforderte Kurzpassspiel funktioniere nicht. Der Schatten von Vorgänger Magath ist augenscheinlich länger als gedacht.

Die Ansprüche sind in Wolfsburg offensichtlich gewachsen, der Sinn für die Realität ist es nicht. "Die hohen Erwartungen sind normal, wenn man gerade Meister geworden ist", kommentierte Veh die Unmutsäußerungen betont gelassen. Der vor der Saison als Magath- Nachfolger geholte Coach versucht, Ruhe zu demonstrieren. "Ich bin ja schon ein paar Tage im Geschäft", sagte Veh in Istanbul: "Ich weiß das Ganze einzuordnen. Von daher habe ich keinen Druck."

Nach dem überraschenden Gewinn der Meisterschaft genießt Magath in Wolfsburg Heldenstatus. Auch der spektakuläre Wechsel zum Ligarivalen Schalke 04 hat an der Bewunderung der meisten Fans wenig geändert. Und nun halten viele den VfL wegen des Erfolges automatisch für einen Titelkandidaten. "Das ist von Anfang an klar gewesen", sagte Veh und versichert, er sei von der aktuellen Stimmungslage nicht überrascht. Veh hält die Erwartungen für überzogen. Man könne "nicht erwarten, dass der VfL nun in jedem Jahr auf den Plätzen 1 bis drei landet", sagte er: "Wenn wir am Ende Vierter oder Fünfter werden, wäre das schon ein Erfolg." Ein Platz im internationalen Geschäft ist das Ziel, das auch Mehrheitsgesellschafter Volkswagen ausgegeben hat.

Wirklich zufrieden ist Veh angesichts des bisherigen Saison-Verlaufs nicht, andererseits hat er selber schon schwierigere Zeiten erlebt. Der VfB Stuttgart stürzte nach der Meisterschaft mit Veh ab, wurde in der Champions League durchgereicht. Auch der Hamburger SV hat ähnliche Erfahrungen mit der ungewohnten Doppelbelastung gemacht. Der VfL steckt dies bisher noch vergleichsweise gut weg.

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