Video-Leinwände bergen Riskio
Big brother ist watching you

Zur Fußball-Weltmeisterschaft will der Bund nach den Worten des scheidenden Innenministers Otto Schily die Video-Überwachung ausweiten.

HB WIESBADEN. "Da, wo der Bund Verantwortung hat, wird er die Video-Überwachung ausweiten und ist auch schon dabei", sagte Schily am Rande der Herbsttagung des Bundeskriminalamtes (BKA) am Mittwoch in Wiesbaden. Dies gelte etwa für den Bahnbereich. Auch die Länder, in deren Zuständigkeit die Video-Überwachung hauptsächlich fällt, wollten dieses Instrument in großem Umfang einsetzen. BKA-Präsident Jörg Ziercke sagte der "Süddeutschen Zeitung" unterdessen, nur an Kriminalitätsschwerpunkten und an Orten, wo die Polizei sofort eingreifen könne, sei die Kamera-Überwachung sinnvoll. Auch der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Wolfgang Speck, äußerte sich skeptisch. Werde ein Platz mit der Kamera überwacht, müsse auch rund um die Uhr jemand da sein, um die Aufnahmen anzuschauen und notfalls einzugreifen, sagte er.

"Natürlich ist immer die größte Sorge die terroristische Bedrohung", sagte Schily. "Aber ich glaube, es ist nicht übertrieben, wenn ich sage, dass die Fußballstadien, in denen die Austragung der Fußball-Weltmeisterschaft stattfindet, mit die sichersten Orte in der Bundesrepublik sein werden." Mehr Probleme als in den Stadien befürchtet Polizei-Gewerkschaftschef Speck bei den Video-Leinwänden, vor denen sich während der WM Zehntausende Fußballfans versammeln werden. "Wir haben wesentlich mehr Sorge, dass dort etwas passiert", sagte Speck. Im Gegensatz zu den Stadien, wo die Polizei durch das System der Ticket-Vergabe mehr als zwei Drittel der Besucher kenne, seien die Fans vor den Leinwänden eine unbekannte Größe.

"Hooligans werden sich dort mit Sicherheit etwas freier fühlen als in den Stadien", sagte Speck. Für dieses Problem gebe es jedoch kaum eine Lösung. Außerdem stünden die Begegnungen noch nicht fest. Damit sei auch unklar, ob - wie etwa bei einem Spiel der Niederlande gegen England - allein durch die Auslosung mit Schwierigkeiten zu rechnen sei. Insgesamt äußerte sich Schily zufrieden mit dem Stand der Vorbereitungen für die Fußball-WM. "Ich glaube, wir können wirklich von uns sagen, dass wir auf dieses große Sportereignis bestens vorbereitet sind", sagte der SPD-Politiker. Das Rahmenkonzept sei mit den Ländern beschlossen. Die Zusammenarbeit sei mit den Nachbar- und den Teilnehmerländern sei ebenso gut wie mit den privaten Sicherheitsdiensten, die im Auftrag des DFB arbeiteten.

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