Videobeweis muss her
Die schlimmsten Fehler der Schiedsrichter im Fußball

Profifußball ist ein knallhartes Geschäft. Es geht für Spieler und Klubs um Millionen. Da ist Fußballromantik fehl am Platz. Schiedsrichter-Fehler müssen mit bester Technik begrenzt werden – um Manipulation vorzubeugen.
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DüsseldorfDer moderne Fußball ist derart schnell geworden, dass das menschliche Auge gelegentlich versagt. Schiedsrichter Manuel Gräfe passierte das am Samstag im Spiel Wolfsburg gegen Leverkusen. Er schätzte einen Pass falsch ein und ließ das Spiel weiterlaufen – gegen den Rat seines Linienrichters. Wolfsburg schoss ein irreguläres Abseitstor, das er jedoch gab.

Die Aufregung war gewaltig. Denn Wolfsburg gewann am Ende mit 2:1 – in gewisser Weise war die Situation also spielentscheidend. „Ich nehme das auf meine Kappe. Das war mein Fehler, ein Wahrnehmungsfehler. Es tut mir leid, die Leverkusener können zurecht sauer sein“, entschuldigte sich Gräfe hinterher.

Es war nicht der einzige folgenschwere Fehler eines Schiedsrichters in den vergangenen Wochen. Vielen Fußballfans ist noch gut das Hand-Tor im Spiel Köln gegen Hannover in Erinnerung. Die meisten Zuschauer sahen es, nur der Schiedsrichter nicht. Der fragte hinterher nicht einmal den betroffenen Spieler.

Irren ist menschlich, und selbst vier Schiedsrichter sehen auf einem großen Spielfeld nicht alles. Ganz anders geht dies heutzutage jedoch Millionen Fans vor den Fernsehern. Da jedes Bundesliga-Spiel von Dutzenden Kameras verfolgt wird, kann jede strittige Situation sofort aus mehreren Perspektiven ausgeleuchtet werden.

Damit wissen die Zuschauer vor den Fernsehern und in den Logen des Stadions umgehend genau Bescheid, zumal in der Regel noch ein Experte, oft ein ehemaliger Schiedsrichter, sofort eingeblendet wird mit einer ersten Einschätzung. Nur die Person, die Entscheidungen auf dem Platz fällt, bleibt oft bis zur Halbzeit im Dunkeln.

Warum also wird die vorhandene Technik nicht eingesetzt, um strittige Entscheidungen im Stadion sofort zu lösen? Für alle Beteiligten geht es schließlich um viel: Fußball ist heutzutage ein Millionengeschäft, sowohl für Spieler und Vereine genauso wie für TV-Sender und den Fußballverband. Alle leben von Fans, die das Spiel lieben und viel Geld für ihre Idole ausgeben. Fehlentscheidungen will eigentlich niemand.

Dennoch melden sich immer die Fußballromantiker – mit zum Teil merkwürdigen Argumenten. „Wir haben in der Bundesliga mit die besten Schiedsrichter der Welt. Aber es sind eben auch Menschen, die mal einen Fehler machen können“, meint Dirk Schuster, Trainer von Darmstadt und folgert dann unverständlicherweise: „Wir sollten nicht allzu viel am Fußball rumdoktern.“

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  • Nach einer Fehlentscheidung des Schiedsrichters nützt hinterher die Entschuldigung nichts mehr. Es gibt keinen Bonuspunkt oder ein Ersatzspiel,
    das Spiel wurde durch Fehlentscheidungen verpfiffen.

    Wer gegen die beste Technik ist, bei dem handelt es sich nicht um einen Fußballromantiker sondern schon eher um den Anhänger der Fußball- und TOTO-Manipulation.

  • Vermutlich gibt es deswegen (noch) keine Kommentare, weil mit dem guten Artikel alles gesagt ist. Darüber hinaus vermute ich wird es bald mal eine Zeitregel wie beim Basketball oder Handball notwendig, um dieses (spanische) Geschiebe mal zu beenden. Mein einfacher Vorschlag: Rückpass mit dem Fuß in die eigene Hälfte wird verboten. Gruß an alle "Bewahrer" !

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