Viele Gemeinsamkeiten
Rendezvous der Rekordmeister

Der FC Bayern München empfängt heute in der Champions League Juventus Turin. Beide Fußball-Klubs dominieren und spalten die heimischen Ligen.

MÜNCHEN. Wenn Juves Sportdirektor Luciano Moggi Tribünen der Gegner betritt, kann er sich nie über mangelnde Aufmerksamkeit beklagen. „Rom kotzt auf Dich“ lautet eine der charmanten Adressen, mit denen er per Spruchband willkommen geheißen wird. Die aufrichtige Abscheu richtet sich dabei keineswegs exklusiv gegen den mächtigen Strippenzieher. Wie eine Spaltaxt teilen die Turiner die italienischen Fußballfans in Gefolg- und Feindschaft.

Auf 13 Millionen Anhänger allein in Italien verweist der Klub stolz, weltweit sind es einer Erhebung des Statistikinstituts Nielsen zufolge 150 Millionen. Nur in Turin selbst wird der „vecchia signora“ – der Alten Dame – eine unanständig mäßige Wertschätzung entgegengebracht: Im Vorjahr lag der Zuschauerschnitt bei gerade 28 000. Lokalrivale AC lockt beinahe doppelt so viele Besucher an – als Zweitligist. Das Stadio Delle Alpi, ein bemerkenswert hässliches Relikt der Tartanbahnstadion-Ära, soll nun von 70 000 auf 35 000 Plätze verkleinert werden.

Die Abneigung der Antijuventini ist leidenschaftlich: Bayerns Trainer Felix Magath erlangte bei ihnen Heldenstatus, als er 1983 mit seinem Tor für den Hamburger SV das Europacupfinale gegen Juve entschied. Noch heute wird er von Juve-Gegnern ins Gebet eingeschlossen. Keine Erwähnung wird darin Dottore Ricardo Agricola finden. Juves früherer Teamarzt wurde Ende 2004 zu 22 Monaten Gefängnis verurteilt, weil er die Spieler in den Neunzigerjahren mit Kreatin und dem Blut-Dopingmittel Epo versorgte. Der Hass der Juve-Gegner glühte.

Ähnlich polarisieren die Münchener hierzulande – freilich ohne systematischen Sportbetrug. Rund zehn Millionen Deutsche bezeichnen sich als Fans der Bayern; bei allen anderen genießen sie ähnlich hohe Popularitätswerte wie ihr Verwaltungsratsvorsitzender Edmund Stoiber in Bischofswerda. Von ihren Gegnern wird beiden Vereinen eine Aura der Arroganz unterstellt, wobei sich in die Verachtung bisweilen eine Prise Neid mischt.

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