Viele Probleme beim Gastgeber der WM 2010
Südafrika will „von den Deutschen lernen“

Die Lobeshymnen für die deutsche WM-Organisation haben Südafrika unter Druck gesetzt. Beunruhigen lassen will sich der Gastgeber der WM 2010 davon aber nicht: "Wir wollen von den Deutschen lernen", sagt Tumi Makgabo.

Am Kap der guten Hoffnung herrscht Skepsis. Allzu laut ertönen derzeit die Lobeshymnen über die deutsche WM-Organisation rund um den Globus. Begeisterte Fans, volle Stadien, ein gut funktionierendes Sicherheitskonzept und eine nahzu perfekte Infrastruktur haben in Südafrika, 2010 Ausrichter des ersten WM-Turniers auf dem Schwarzen Kontinent, Eindruck hinterlassen und die Messlatte für das dortige OK sehr hoch gelegt.

Eine Abordnung befindet sich wie schon vor einem Jahr beim Konföderationen-Pokal auf einer Info-Tour durch die deutschen WM-Städte. "Es ist normal, dass uns die Leute in vier Jahren mit Deutschland vergleichen. Wenn mich das beunruhigen würde, hätten wir uns niemals um die Ausrichtung beworben", sagt Tumi Makgabo, Kommunikations-Direktor im südafrikanischen Organisations-Komitee: "Wir wollen von den Deutschen lernen."

"Möglichst viel abschauen"

Andere Funktionäre geben sich nicht so selbstbewusst, denn den Südafrikanern droht die Zeit davonzulaufen. "Die Deutschen arbeiten mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks, wir müssen möglichst viel abschauen und schnellstens umsetzen", appellierte jüngst die Zeitung Cape Argus und erwähnt in dem Zusammenhang eine lange Liste von Problemen mit den Stadien, dem Transport oder der Kriminalität.

Ein grundsätzliches Umdenken müsse stattfinden, denn was bei einer WM passiere, habe mit dem normalen Liga-Betrieb im Fußball oder den Gepflogenheiten bei Spielen des Volkssports Rugby nichts zu tun. Seit einem Jahr existiert in Johannesburg ein Büro des Weltverbandes Fifa, dessen Mitarbeiter die bei der Organisation derartiger Mega-Events unerfahrenen Afrikaner in allen Bereichen beraten und unterstützen.

Nicht zuletzt die Fifa und ihr Afrika-freundlicher Präsident Joseph S. Blatter haben ein Interesse an einem gelungenen und stimmungsvollen Fußball-Fest wie es Deutschland derzeit erlebt. Immerhin will Blatter 2010 auch wirtschaftlich in neue Dimensionen vorstoßen und die Fifa-Einnahmen von 1,86 auf 3,0 Mrd. Euro steigern.

Rugbystadien sollen modernisiert werden

Große Probleme bereiten momentan noch die Stadien. Lediglich die Finanzierung der Endspiel-Arena Soccer City in Johannesburg mit einem Fassungsvermögen von 95 000 Zuschauern ist durch den Staat gesichert. Ohne Zuschüsse sollen hingegen die übrigen, zumeist Rugbystadien, umgebaut und modernisiert werden. Diese werden in der Regel privat oder von Konsortien betrieben. Die haben wenig Interesse an Investitionen, zumal sie während der WM von der Fifa "enteignet" werden und die Stadien werbefrei übergeben müssen.

Äußerst sensibel ist auch das Thema Ticketpreise. Die werden bei einer Arbeitslosigkeit von etwa 38 Prozent und einem Durchschnittseinkommen von 500 Euro im Monat das Niveau der WM in Deutschland nicht erreichen. Auf der anderen Seite wird dem Schwarzmarkt speziell in Europa und Asien Tür und Tür geöffnet. Folglich ist zu befürchten, dass die WM unter Ausschluss der Einheimischen stattfindet.

Als 2004 die Entscheidung für Südafrika fiel, herrschte große Euphorie. "Südafrika wird ein guter Gastgeber sein, wir werden uns auf eine sehr herzliche und fröhliche Weltmeisterschaft freuen können", sagt damals Franz Beckenbauer, Präsident des deutschen WM-OK. Am 7. Juli, zwei Tage vor dem Finale in Berlin, wird er den südafrikanischen Staatspräsidenten Thabo Mbeki begrüßen, der mit der Präsentation des WM-Logos für Zuversicht und Vorfreude auf ein spektakuläres Turnier in seinem Land sorgen will.

© SID

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