VIP-Logen im Fußball
Die große Verunsicherung

Business-Logen bieten erstklassige Möglichkeiten, um Kunden zu einem Top-Event einzuladen. Gleichzeitig bergen die VIP-Bereiche der Bundesligastadien rechtliche Gefahren. Wo fängt die Vorteilsnahme an?
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DüsseldorfNirgendwo ist Fußball gucken angenehmer, nirgendwo lässt sich die Wartezeit bis zum Anpfiff genussvoller verbringen. Man muss sich den Logen-Besucher in der Bundesliga als glücklichen Menschen vorstellen, egal, ob in Hamburg, Sinsheim oder Frankfurt. Schon beim Ankommen lächelt ihm eine Hostess entgegen und nimmt ihm den Mantel ab. Danach führt ihn der Duft kulinarischer Köstlichkeiten ans Büfett, wo ihm Servicekräfte ein frisch gezapftes Pils und leckere Antipasti reichen.

So lassen sich wunderbar anregende Gespräche über Jogi Löw und Mesut Özil, über Gegenpressing und Phantomtore, über Innovationsrate, Xetra-Dax und Umsatzrendite führen. Riesige Panoramafenster geben den Blick auf das Stadioninnere frei, draußen warten beheizbare Ledersessel mit viel Beinfreiheit.

Lukrative Geschäfte anbahnen, wertvolle Kontakte knüpfen, verdienten Partnern Gutes tun – Business-Logen sind eine ideale Netzwerk-Plattform. Logen bieten außerdem erstklassige multimediale Möglichkeiten, um potenziellen Kunden im emotionalen Rahmen eines Live-Spiels das eigene Leistungs-Portfolio zu vermitteln. Trotz dieser Vorzüge fühlen sich immer mehr Besucher des VIP-Bereichs eines Fußballstadions unwohl. Darf man eigentlich hier sein? Muss man das am Ende geheim halten? Was muss man beachten?

Deswegen gibt es im Hospitality-Bereich eine große Verunsicherung. Es geht um die Frage, wo Kontaktpflege allgemein, spezielle Kundenpflege und Gastfreundschaft aufhören – und wo Vorteilsnahme beginnt. Häufig schwingt der Verdacht der Bestechlichkeit mit. Sponsoren und Eingeladene sind irritiert. Begonnen hat alles mit der WM 2006. Damals geriet Utz Claassen, ehemals Chef des schwäbischen Energieversorgers EnBW, in Korruptionsverdacht, als er Politiker zu diversen Spielen einlud. Der Bundesgerichtshof sprach Claassen zwar später vom Verdacht der Korruption frei, legte in seinem Urteil aber keine eindeutige Regelung fest.

Obwohl dieser Fall schon etliche Jahre zurückliegt, wirkt er lange nach. Bis heute. Noch immer bewegt sich der ganze Hospitality-Bereich in einer rechtlichen Grauzone. Die Unternehmen sind sehr vorsichtig geworden. Niemand will sich nachsagen lassen, sich rechtswidrig zu verhalten. Compliance ist ein Modewort geworden.

„Das erschwert das Geschäft mit den Logen. Hier ist auch die Politik gefragt, mehr Rechtstransparenz zu schaffen, sonst gerät eine wichtige Einnahmequelle der Vereine in Gefahr“, sagt Ralf Koslowski, Geschäftsführer des Vermarkters Infront Germany, der unter anderem für Werder Bremen, 1860 München und Fortuna Düsseldorf attraktive Businesspakete vermarktet.

Es ist paradox. Einerseits hat sich die Anzahl der Business-Seats und auch die Qualität der Logen durch modernisierte Arenen in den letzten Jahren nochmal deutlich erhöht – gerade auch im internationalen Vergleich – andererseits ziehen sich immer mehr Firmen ganz aus diesem Bereich zurück. Konzerne wie die Deutsche Telekom haben heute interne Compliance-Auflagen, die es verbieten, einen Geschäftspartner für mehrere tausend Euro zu einem Champions-League-Spiel einzuladen, schon gar nicht vor großen Geschäftsabschlüssen.

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