Volkswagen und der Fußball
Zieht sich VW als Sponsor zurück?

Volkswagen ist einer der größten Sponsoren im Fußball. Etwa die Hälfte der Profiklubs in der ersten und der zweiten Bundesliga hängt am Geld des Autoherstellers. Bringt die Krise nun Kürzungen? Was Experten erwarten.

DüsseldorfHandelsblatt-Kolumnist Christoph Metzelder hat eine Nase für Trends. Als VW-Chef Martin Winterkorn am Mittwoch zurückgetreten war, schrieb der Ex-Fußballer auf seiner Facebook-Seite: „Das könnte Auswirkungen auf das umfangreiche Sponsoring von VW im deutschen Fußball haben.“ Mehr als 60 Nutzer kommentierten das zum Teil ironisch, mitunter hämisch oder auch kritisch.

Klaus Allofs, der Manager des VfL Wolfsburg, glaubt das naturgemäß nicht. Im Fußball dürfe man sich zwar nicht zu sicher sein, meinte er nach der bitteren 1:5-Niederlage bei Bayern München. Man sollte jedoch nicht verrücktspielen. Schon gar nicht, wenn es um die heikle Frage nach Konsequenzen des Abgasskandals für die hundertprozentige Tochter VfL Wolfsburg gehe.

Skeptiker wie Metzelder fürchten: Wenn der Konzern sein Sportengagement überdenkt, dann könnten die Auswirkungen für die Wölfe viel gravierender sein als die Blamage in München. Doch Allofs blieb am Mittwoch gelassen: „Bei dem Engagement von VW handelt es sich um eine strategische Ausrichtung. Und dieses Engagement hat einen gewissen Wert, der sich auch nicht so schnell ändert.“

Bei seinem jüngsten Gespräch mit VfL-Aufsichtsratschef Francisco Javier Garcia Sanz, der zugleich VW-Vorstand ist, sei er in dieser Haltung bestätigt worden, sagte der Manager weiter. Da seien mögliche Konsequenzen für das Engagement des Konzerns beim VfL Wolfsburg jedenfalls kein Thema gewesen.

Es geht jedoch nicht nur um einen Verein. Rund die Hälfte der Profiklubs in der ersten und der zweiten Bundesliga hängt am Geld des Autoherstellers. Das Engagement ist sehr unterschiedlich. Mal ist es eine direkte Kapitalbeteiligung, mal fließen Gelder in einen Wettbewerb wie den DFB-Pokal. Oder es werden nur Autos oder logistische Hilfe durch eine der zahlreichen VW-Töchter und Marken bereitgestellt.

Ein Professor für Automobilwirtschaft und ehemaliger VW-Manager gibt jedenfalls Entwarnung: „Ich glaube, dass die aktuellen Ereignisse rund um VW das Sportsponsoring nicht betreffen werden“, sagte Hans-Gerhard Seeba in einem Interview mit der Fußballzeitschrift „11 Freunde“. Das Fußballsponsoring sei Teil der Unternehmenskommunikation und des Marketings. Wenn man ein solches Engagement professionell betreibe, tue man es langfristig.

Diesen Schluss zieht er aus den geschätzten Summen, die man allerdings ins Verhältnis stellen müsse. Für die Fußballvereine gehe es um viele Millionen. Das sind für mittelständische Unternehmen große Beträge, die VW da investiert. Für den Konzern selbst seien das aber überschaubare Summen angesichts der Milliardengewinne, die das Autogeschäft Jahr für Jahr abwirft. Überdies müsse VW ein Interesse haben, den Imageschaden in Grenzen zu halten. „Und den würde man eher vergrößern, wenn man das sehr große fußballinteressierte Publikum durch einen Ausstieg aus dem Sport zusätzlich vergrätzt“, meinte Seeba.

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