„Volle Unterstützung“
Uefa steht hinter Präsident Platini

Von wegen Palastrevolte: Die Uefa hat ihrem belasteten Präsidenten Michel Platini das Vertrauen ausgesprochen. Der verband geht volles Risiko – wenn es einen Kandidaten als Fifa-Präsidenten gibt, muss es Platini sein.

Nyon, DüsseldorfTrotz der aktuellen Suspendierung erhält Uefa-Präsident Michel Platini weiter die Rückendeckung der Mitgliedsverbände der Europäischen Fußball-Union. „Wir unterstützen Michel Platinis Recht auf ein gerechtes Verfahren und sein Recht, seinen Namen reinzuwaschen“, zitierte Uefa-Generalsekretär Gianni Infantino am Donnerstag aus einer gemeinsamen Erklärung der 54 Verbände. Zudem sei Platini weiterhin Kandidat für das Amt des Fifa-Präsidenten. Die Ethikhüter des Weltverbands müssten „sehr schnell“ arbeiten und bis spätestens „Mitte November“ eine endgültige Entscheidung über den Franzosen treffen, hieß es weiter. Infantino erklärte auch, man wolle jedem die Möglichkeit geben, sich ein eigenes Urteil über Platini zu bilden. „Wir waren uns einig, dass nicht rechtens ist, jemanden vorzuverurteilen“, hieß es weiter.

Ein entscheidender Faktor ist demnach die Geschlossenheit. „Veränderungen im Fußball können nicht von Einzelnen ausgehen, sondern müssen gemeinschaftlich getragen werden“, erklärte Infantino am Abend in Nyon. Forderungen nach einem Reformator von außerhalb der Verbandskreise erteilte er eine klare Absage. Mögliche personelle Konsequenzen an der Spitze wurden nicht weiter kommentiert.

Damit nimmt sich die Uefa die wahrscheinlich letzte Chance, einen Ersatzkandidaten für die Neuwahl des Fifa-Präsidenten im Februar zu bestimmen. In wenigen Tagen läuft die Bewerbungsfrist aus, Platini hatte seine Kandidatur nur Stunden vor seiner Suspendierung eingereicht. Einen Plan B gibt es offenbar nicht. Sollte Platini am Ende dauerhaft von allen Ämtern ausgeschlossen werden oder wird seine vorläufige Suspendierung noch weiter verlängert, stünde der größte Fußball-Dachverband der Welt ohne eigenen Kandidaten da. Der Franzose hatte sich in den vergangenen Monaten zum Mitfavoriten gemausert, da es ihm gelungen war, die Kontinentalverbände hinter sich zu vereinen. Als einziger weiterer mehrheitsfähiger Kandidat gilt derzeit der Südafrikaner Tokyo Sexwale.

Für Platini ein vorläufiger Sieg auf ganzer Linie. Auch, weil die Verschwiegenheitspflicht in laufenden Verfahren ihm, völlig rechtens, vor Halbwahrheiten und Ermittlungsständen schützt. „Herr Platini ist erst kürzlich wiedergewählt worden“, sagte Infantino. Nur die Sperre durch die Fifa würde verhindern, dass er zu den anwesenden Journalisten spreche und über seinen Anwalt kommunizieren müsse. „Die Spekulationen müssen aufhören“, sagte der Generalsekretär.

„Es hat den gemeinsamen Beschluss gegeben, Michel Platini zu unterstützen und dass er ein faires Verfahren bekommt“, sagte zuvor auch Leo Windtner, Präsident des Österreichischen Fußball-Bunds am Donnerstag. Der Franzose war von der Ethikkommission des Weltverbands für 90 Tage gesperrt worden. Die einstimmige Unterstützung kommt durchaus überraschend. Mehrere Verbandsspitzen, darunter auch Windtner, hatten sich zuletzt offen von Platini distanziert.

Platini ist wie auch Fifa-Präsident Blatter von der Ethikkommission des Weltverbandes für 90 Tage gesperrt worden. Platini darf die Uefa-Zentrale in Nyon derzeit nicht betreten und wird dementsprechend auch nicht an der Sitzung teilnehmen können.

Der Franzose hatte für Dienste zwischen Januar 1999 und Juni 2002 erst knapp neun Jahre später von Blatter zwei Millionen Schweizer Franken erhalten. Von einem BBC-Reporter am Mittwochabend in Genf angesprochen, wollte sich der 60 Jahre alte Franzose nicht äußern. Doch nicht nur Platini steht unter massivem Druck. Auch sein Vize Angel Maria Villar Llona wurde nun sogar von der spanischen Regierung in die Pflicht genommen. Der höchste Vertreter Platinis hatte sich bislang noch nicht zur aktuellen Krise der Uefa geäußert.

„Diese Korruption erfordert eine sofortige Antwort“, sagte Sport-Staatssekretär Miguel Cardenal beim TV-Sender Telemadrid. Die Menschen würden sich fragen, ob Villar Llona etwas über die Probleme beim Weltverband Fifa oder der Uefa wisse. Javier Tebas, Chef der spanischen Primera Division, erklärte, Villar Llona müsse „entweder sehr schlau oder sehr dumm sein“, dass ihm nicht aufgefallen sei, dass etwas Falsches um ihn herum passiere.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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