Vom Balljungen zum WM-Star
Lahm begeistert sogar Maradona

Nach dem 4:2-Sieg über Costa Rica und seinem Traumtor bekam Philipp Lahm Lob von allen Seiten. Bundestrainer Jürgen Klinsmann war begeistert und Diego Maradona attestierte dem Linksverteidiger ein perfektes Spiel.

Philipp Lahm zählt zu den ganz großem Gewinnern des deutschen Auftaktsieges gegen Costa Rica. Auf der linken Seite spielte er groß auf, was auch der Fußball-Legende Diego Maradona nicht verborgen blieb. "Das war eine Weltklasse-Leistung von Philipp Lahm. Er hat perfekt gespielt und ein tolles Tor geschossen. In dieser Form kann er einer der Top-Spieler der WM werden", schwärmte der einstige argentinische Weltstar nach der spektakulären Vorstellung des kleinsten deutschen WM-Spielers, der beim 4:2 (2:1) der DFB-Auswahl im Eröffnungsspiel gegen Costa Rica nicht nur wegen seines frühen Traumtores zum 1:0 und der Vorlage zum 3:1 der Allergrößte war.

Dass ausgerechnet der argentinische Kapitän der Weltmeisterelf von 1986 den gebürtigen Münchner in den höchsten Tönen lobte, war für den immer bescheiden auftretenden Lahm dann auch etwas ganz Besonderes. "So ein dickes und sehr großes Lob - das ist schon was. Maradona ist ja nicht irgendein Fußballer, sondern einer der größten auf der Welt", sinnierte der Flügelflitzer von der linken Seite, der sich von dieser Aussage aber nicht verrückt machen lassen will.

Lahms Entwicklung vom Balljungen zum WM-Teilnehmer

"Den größten Druck mache ich mir selbst. Ich will ein gutes Turnier spielen, das wird schwer genug. Aber der Anfang war nicht schlecht", sagte Lahm, der auch am Tag nach seiner Galavorstellung noch im siebten Himmel schwebte. "Natürlich träumt man von so einem Tor. Für mich war es das Tor des Jahres, es war vielleicht sogar das Tor meines Lebens - und dann noch in München, vor meiner Haustür", machte er seine Verbundenheit zur Heimat deutlich.

"Mit elf Jahren war ich Balljunge bei den Bayern, 1996 als Balljunge beim Champions-League-Finale zwischen Dortmund und Juventus Turin im Einsatz und nun spiele ich ausgerechnet in München beim WM-Eröffungsspiel vor meinen Freunden und Bekannten und fantastischen Fans. Was kann es Schöneres geben", sprudelte es aus dem sympathischen Vorzeigeprofi heraus.

Kleiner Tanz mit Freund Hildebrand

Nach seinem fulminanten Schuss zum 1:0 rannte der nur 1,70m große Lahm in der sechsten Minute wie ein Wiesel auf Ersatztorwart Timo Hildebrand zu, umarmte ihn und bat zu einem kleinen Tänzchen. "Ich habe zwei Jahre mit ihm in Stuttgart gespielt, wir waren Zimmerkollegen. Am Abend vor dem Spiel haben wir zudem zusammen eine DVD mit Michael Jordan geschaut, da hat Timo gesagt, es wird Zeit, dass ich mal wieder ein Tor schieße", erklärte Lahm diesen Gefühlsausbruch.

Und Toreschießen ist bei Lahm wirklich nicht an der Tagesordnung. Für die Bayern ging der Double-Gewinner, der nach seiner Ellenbogenoperation auch die nächsten Spiele bei der WM mit einer Spezialschiene bestreiten muss, in der vergangenen Saison leer aus. Und seinen bislang einzigen Länderspieltreffer vor dem Freitag markierte der 18-malige Nationalspieler beim 1:5 der DFB-Auswahl in Rumänien im April 2004 - zwei Monate nach seinem Debüt im Nationaldress gegen Kroatien.

"Ich habe sehr viel Positives gesehen. Toll, wie Philipp gespielt hat", lobte denn auch Bundestrainer Jürgen Klinsmann den beherzten Auftritts seines "Turbo-Minis", der im gesamten Spiel nur eine Schrecksekunde zu überstehen hatte. Nach einem Zweikampf fiel er auf den nach wie vor gereizten Ellenbogen. "Es ist zum Glück gutgegangen", berichtete Lahm, der sich vorstellen kann, sich dauerhaft mit dieser Spezialmannschette zu arrangieren: "Wenn es gut läuft, lege ich sie nie wieder ab."

© SID

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