Vor den letzten WM-Qualifikationsspielen dominieren Außenseiter wie Ghana
Korruption und Arroganz legen Afrikas Fußball Zügel an

Der brasilianische Fußballstar Pelé wagte vor einigen Jahren die Prognose, dass eines der großen Teams aus Afrika schon 2002, spätestens aber 2006 die Weltmeisterschaft gewinnen werde. Nun sieht die Realität ganz anders aus: Nachdem bereits Südafrika seine Teilnahme an der WM in Deutschland vorzeitig verspielt hat, droht mit Nigeria ein weiteres Topteam des Kontinents zu scheitern.

HB KAPSTADT. Sollte Gruppenrivale Angola am Wochenende sein letztes Spiel in Ruanda gewinnen, hätten die Kicker aus der früheren portugiesischen Kolonie im direkten Vergleich mit Nigeria die bessere Tordifferenz und würden erstmals zu einer WM reisen.

Neben Angola dürfen sich auch die als Außenseiter gestarteten Teams aus Ghana und Togo berechtige Hoffnungen machen, erstmals an einer Fußball-WM teilzunehmen. Von den etablierten Fußballnationen scheint dies nur Tunesien und Kamerun zu gelingen, wobei es für die „unbezähmbaren Löwen“ aus Westafrika bereits die fünfte Endrundenteilnahme in Folge wäre. Sie müssen dazu im letzten Spiel am Wochenende zuhause in Yaounde nur noch Ägypten schlagen.

Das Favoritensterben könnte eine Zeitenwende im afrikanischen Fußball einläuten. Mitte der neunziger Jahre von Scouts und Experten hochgejubelt, laborieren die einst zu Hoffnungsträgern erklärten Teams wie Südafrika, Nigeria aber auch Senegal heute an Problemen wie sie auch in anderen Bereiche des afrikanischen Lebens typisch sind: Korruption, fehlender Gemeinsinn und mangelnde Planung. „Bei den großen Teams hat sich eine starke Arroganz breit gemacht" stellt der bekannte Sportjournalist Marc Gleeson fest. „Anders als früher erfüllt zudem die Berufung ins Nationalteam viele in Europa kickende Spieler nicht mehr mit Stolz – und entsprechend dürftig ist oft das Engagement.“

Warum auch, fragen langjährige Beobachter, sollte ausgerechnet der Fußball zu mehr Hoffnung Anlass geben als die düsteren Wirtschaftsstatistiken? Kein Kontinent hat so viele Bodenschätze und damit ein ähnlich großes Potenzial wie Afrika. Doch veredelt werden diese Ressourcen fast immer woanders. Das koloniale Modell gilt auch für den Fußball, vor allem in den großen Verbänden: Geformt werden Stars wie George Weah, Sammy Kuffour oder Benny McCarthy in Übersee, aber nicht auf den heimischen Plätzen von Monrovia, Kumasi oder Kapstadt.

Seit Jahrzehnten beklagt Afrika bereits eine Abwanderung der Elite, ein so genanntes „brain drain“. Die fähigsten Unternehmer, Politikwissenschaftler, Literaten oder Journalisten des Kontinents emigrieren desillusioniert in den Westen, weil sie dort beruflich vorankommen und mehr Geld verdienen können. Auf den Fußball übertragen, heißt dies: Gut 80 Prozent von Afrikas Talenten kicken im Ausland. Viele sind es leid, dass korrupte Verbände die Fifa-Prämien in die eigene Tasche statt in die Förderung des heimischen Nachwuchs stecken. Dieses Phänomen ist in den vergleichsweise reichen Verbänden wie in Südafrika oder Nigeria noch viel stärker ausgeprägt als in den kleinen, wo es häufig kaum etwas zu verteilen gibt, aber der sportliche Ehrgeiz oft umso stärker ist.

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