Vorsitzender der Fifa-Schiedsrichter-Kommission
Schiri-Chef Villar mit WM-Referees zufrieden

Angel Maria Villar, Vorsitzender der Fifa-Schiedsrichter-Kommission, hat bei einer Pressekonferenz am Freitag die Leistungen der WM-Referees gelobt. Das Niveau sei höher als 2002 in Südkorea und Japan, sagte Villar.

Angel Maria Villar sorgte für Irritationen und ließ zugleich viele Fragen offen. Der Vorsitzende der Schiedsrichter-Kommission des Fußball-Weltverbandes Fifa behauptete am Freitag bei einer Pressekonferenz, dass die Leistungen der Schiedsrichter bei dieser WM sehr gut seien. "Das Niveau ist höher als 2002 in Südkorea und Japan."

Der Spanier vertrat vehement die Meinung, die Schiedsrichter hätten in den bisherigen Spielen der Vorrunde und des Achtelfinales gepfiffen, was sie sahen, und nicht gepfiffen, was sie nicht sahen. Damit widersprach er unter anderem der harten Kritik von Fifa-Chef Joseph S. Blatter oder Franz Beckenbauer, Präsident des deutschen WM-OK.

Keine Benachteiligung "kleiner" Mannschaften

Dass Referees im Unterbewusstsein "kleine" Mannschaften benachteiligen (z. B. fragwürdiger Elfmeter für Italien gegen Australien in der Nachspielzeit, klares Abseitstor von Brasilien gegen Ghana) wollte Villar nicht gelten lassen: "Die Schiedsrichter sind Menschen, und Menschen haben das Recht auf Irrtum." Bequemer lassen sich unbequeme Fragen nicht beantworten.

Offen blieb die Frage nach technischen Hilsmitteln. Der Ex-Profi sah in seiner Person den falschen Adressaten für solch ein Auskunftsbegehren, denn: "Die Regeln werden vom International Board gemacht, wir wenden sie nur an. Wir sind Richter, aber keine Regierung, die Gesetze beschließt."

Damit umschiffte Villar auch die Frage, ob die Diskrepanz bei Vergehen, die mit einer Verwarnung geahndet werden, nicht zu groß sei (Spielverzögerung, Foul) und ob nicht, wie im Handball und Eishockey, eine Zeitstrafe eingeführt werden müsse. Immerhin seien die Schiedsrichter inzwischen untereinander verkabelt - was allerdings im Falle des bedauernswerten Engländers Graham Poll (drei Gelbe Karten gegen den Kroaten Josip Simunic) auch nicht geholfen hatte.

Eheringe im Mund

Wie schwierig die Aufgabe der Schiedsrichter ist, wurde klar, als Villar lamentierte, dass Schmuckstücke Verletzungen hervorrufen können, Spieler aber die Referees zu täuschen versuchen, indem sie Eheringe bei der Kontrolle in den Mund nehmen und danach wieder anziehen. Als besonders schwierig erweise sich auch die Beurteilung von Schwalben: Wenn´s keine war, sei der Spieler durch eine eventuelle Rote Karte doppelt bestraft. Deshalb versteht Villar manche Zauderei der Schiedsrichter in dieser Angelegenheit.

Als Fortschritt wertete Villar die Bildung von Trios: "Es gibt einige sehr gute Schiedsrichter, die nicht bei dieser WM waren, weil sie keine adäquaten Assistenten hatten." Um die Zukunft ist ihm nicht bange: "Die Schiedsrichter liegen dem Präsidenten am Herzen. Wir haben so viel Mittel, so viel Personal - auch Psychologen - bekommen wie noch nie."

Weniger Verletzungen

Natürlich hat auch die Flut von Gelben und Roten Karten für den Oberschiedsrichter nur Gutes: "Es kommt zu weniger Verletzungen. "Außerdem würden inzwischen immerhin mehr Tore gegeben, die früher noch als Abseits gewertet worden seien. "Und viele Tore wollen wir doch alle, oder?"

Warum der deutsche Schiedsrichter Markus Merk bloßgestellt wurde, indem eine von ihm empfundene Beleidigung durch den Australier Harry Kewell nicht als solche gewertet wurde, weshalb der Spanier Villar es zuließ, dass ein Spanier Frankreich gegen Brasilien pfeift, wo die Franzosen doch gerade Spanien eliminiert haben - für all diese Fragen war keine Zeit mehr.

© SID

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