Vorzeigeprojekt des globalisierten Fussballs
Samba im Kohlebecken

Schachtjor Donezk ist im Uefa-Cup der letzte Verein aus Osteuropa. Wenn die Ukrainer heute den Titelverteidiger eliminieren, ist das kein Zufall.

DONEZK. Weiter östlich kann die Sonne in Europa nicht mehr verstauben. Im ukrainischen Donbass, dem Land am Don, schwärzen die Emissionen Hunderter Metallhütten, Maschinenbaukombinate und Kraftwerke den Himmel der Steppe. Mittendrin liegt Donezk, die wichtigste Stadt der Gegend, und glaubt man der Hymne des örtlichen Fußballvereins, dann beherbergt sie in all der rußverschmierten Öde einen strahlenden Stern. Er nennt sich Schachtjor, ist der letzte Vertreter Osteuropas in der laufenden Europapokalsaison und könnte heute Abend nach einem 2:2 im Hinspiel überraschend Titelverteidiger FC Sevilla aus dem Wettbewerb werfen.

Der Aufstieg von Schachtjor zum Stolz einer ganzen Region ist einem Mann zu verdanken, der für die einen Heilsbringer und Arbeitgeber ist, und dem andere, wie Staatspräsident Juschtschenko den Handschlag verweigern, weil man „mit Banditen nicht verhandelt“. Sein Name: Rinat Achmetow.

Mit 39 Jahren und einem geschätzten Privatvermögen von vier Milliarden Euro ist er der reichste Mann der Ukraine und obwohl dem ehemaligen Boxer, Hütchenspieler und Schutzgeldeintreiber Korruption und sogar Mord vorgeworfen werden, mag in Donezk keiner an seiner Liebe zu Schachtjor zweifeln. „Es ist unglaublich, wie er den Fussball liebt. So jemandem bin ich zuvor nie begegnet“, sagt Schachtjors rumänischer Trainer Mircea Lucescu über seinen Chef. Ohne einen wie ihn, sagt der 61-Jährige, sei ein Projekt wie Schachtjor nicht möglich. Lucescu, der auch schon die rumänische Nationalmannschaft, Inter Mailand, Galatasaray und Besiktas Istanbul trainiert hat, kann dank der großzügigen Zuwendungen Achmetovs finanziell aus den Vollen schöpfen. Zwar wird wie in Russland oder Rumänien auch in der Ukraine ungern über Geld gesprochen, Insider vermuten aber, dass der Etat des Vereins bei geschätzten 70 bis 80 Millionen Euro liegt.

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