Wachstum im Fußball

Die Bundesliga braucht größere Stadien

Fast alle Bundesliga-Stadien sind prall gefüllt. Gemessen am Interesse sind viele jedoch zu klein. Etliche Klubs überlegen daher, Arenen zu vergrößern oder neu zu bauen. Und bereiten so den nächsten Umsatzsprung vor.
Update: 23.09.2016 - 15:52 Uhr 1 Kommentar
Was Unternehmen für neue Namen zahlen
Olympiastadion (Hertha BSC)
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Kein anderes Stadion in Deutschland hat eine derart bewegte Geschichte hinter sich wie das Olympiastadion in Berlin. Mehrmals wurde es umgebaut, zuletzt von 2000 bis 2004. Seitdem passen 74.475 Menschen in das Stadion. Schon seit längerem will die Stadt Berlin die Namensrechte verkaufen, doch das richtige Angebot war noch nicht dabei. So ist die Hertha einer von nur drei Vereinen, der keinen Namenssponsor fürs Stadion hat.

Weserstadion (Werder Bremen)
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An dem an der Weser gelegenen Bremer Stadion ist schon so manche Flut vorbei gegangen. Von 2008 bis 2011 wurde es umfassend modernisiert, unter anderem stieg die Kapazität auf 42.358 Zuschauer. Auch ein neuer Name sollte ursprünglich her. Die Fans reagierten empört, dass mit einer 60 Jahre alten Tradition gebrochen werden sollte. Allerdings besitzt der Oldenburger Energieversorger EWE noch bis 2018 ein Veto-Recht in Bezug auf den Stadionnamen.

Stadionrechte: nicht verkauft

Stadion im Borussia-Park (Borussia Mönchengladbach)
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Bis 2004 spielten die Borussia im legendären Bökelbergstadion. Da ein Umbau am Widerstand der Anwohner scheiterte, zog Gladbach 2004 ins „Stadion im Borussia-Park“ um. 54.000 Zuschauer finden hier Platz, die Namensrechte wurden aber interessanterweise nicht vergeben – eine Entscheidung mit Seltenheitswert in der Bundesliga. Entschließt sich der Verein, den Stadionnamen doch noch zu vermarkten, könnten er mit bis zu 5,8 Millionen Euro pro Jahr rechnen.

Platz 14: Jonathan-Heimes-Stadion am Böllenfalltor (Darmstadt 98)
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Die altehrwürdigste Spielstätte (Kapazität: 17.000 Zuschauer) der deutsche Beletage: Bundesliga-Neuling Darmstadt 98 stellte in seinem Stadion schon so einigen Kontrahenten ein Bein. In der Saison 2016/17 heißt die Heimstätte der Hessen „Jonathan-Heimes-Stadion am Böllenfalltor“, Kostenpunkt 300.000 Euro. Die temporäre Umbenennung soll an den krebskranken Fan der „Lilien“, Jonathan Heimes, erinnern, der im März 2016 im Alter von nur 26 Jahren verstorben war.

Platz 14: Jonathan-Heimes-Stadion am Böllenfalltor (Darmstadt 98)
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Die Namensrechte trägt eigentlich bis ins Jahr 2019 das Technologie- und Chemieunternehmen Merck, das in Darmstadt seinen Sitz hat. 300.000 Euro pro Jahr zahlt der Konzern dafür, verzichtete in Gedenken an Jonathan Heimes aber in dieser Saison auf sein Recht. Diese Aktion rief in der Bundesliga große Sympathie hervor. Heimes hatte in Darmstadt starken Symbolcharakter – er war ganz nah dran an der Mannschaft und wurde wegen seines starken Charakters stets geschätzt.

Platz 12: Audi Sportpark (FC Ingolstadt 04)
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Das kleinste Stadion der Bundesliga steht in Ingolstadt: 15.800 Zuschauer fasst der dortige „Audi Sportpark“. Die Namensrechte hat die Audi Immobilien Verwaltung, eine Tochtergesellschaft, bis 2019 inne. Das bringt dem Verein pro Jahr 500.000 Euro. Der FCI, der vor Jahresfrist in die Bundesliga aufgestiegen war, spielt seit 2010 in seiner neuen Arena.

Platz 13: Schwarzwald-Stadion (SC Freiburg)
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Das Schwarzwald-Stadion des SC Freiburg: Hier können 25.000 Menschen Fußball schauen. Die Schwarzwald Tourismus GmbH hat die Namensrechte des Stadion für die Dauer von fünf Jahren gemeinsam mit sechs Finanzierungspartnern erworben. Die Namensänderung erfolgte am 7. Oktober 2014 und spült dem Freiburger Sportclub bis ins Jahr 2019 jährlich 500.000 Euro in die Kasse.

DüsseldorfDas Stadion bleibt auch im digitalen Zeitalter das Zentrum des Fußballerlebnisses. Einnahmen aus Tickets und von Sponsoren bilden die wirtschaftliche Basis dafür. Doch der große Erfolg der Lieblingssportart Nummer 1 bringt für die Vereine neue Herausforderungen mit sich. In vielen Bundesliga-Städten sind die Arenen zu klein geworden.

Etliche Erstligavereine gehen davon aus, dass sie deutlich mehr Fans ins Stadion locken könnten, wenn ihre Sportstätten nur größer wären. Das gilt sogar teilweise unabhängig vom sportlichen Erfolg der Klubs. Und die Attraktivität eines Stadionbesuchs hängt auch nicht nur von der Beliebtheit eines Vereins ab. Entscheidend ist die Strahlkraft des Fußballs an sich.

Neben den eingefleischten Anhängern zieht der Fußball immer mehr Menschen an, die etwas Besonderes erleben wollen. Darauf richten sich die Vereine ein, indem sie – wie etwa Bayern München – auch das Umfeld eines Stadions gezielt ausbauen und die Arena zu einem dauerhaft interessanten Ziel für Touristen machten.

Borussia Dortmund und Borussia Mönchengladbach investieren ebenfalls in das Umfeld ihrer Arena. In Dortmund beispielsweise tummeln sich bereits Stunden vor den Spielen tausende von Anhängern, um gemeinsam zu feiern. Das Spiel selbst ist dann für manche der Höhepunkt einer ganzen Woche. Das Vorbild des Marktführers zieht Kreise.

Beispiel 1. FC Köln: Die Kölner sind in der vergangenen Saison nur Neunter geworden, dennoch war das Stadion in Müngersdorf mit einem Zuschauerschnitt von 48.500 zu 97 Prozent ausgelastet. Das ist eine sehr gute Quote, da 100 Prozent nur selten erreicht werden. Das liegt am Gästeblock, der frei gehalten werden muss für gegnerische Fans, aber nicht immer vollständig gefüllt werden kann.

Köln möchte nun gerne die Arena auf bis zu 70.000 Plätze erweitern oder vielleicht sogar ein ganz neues Stadion bauen. Letzteres hätte den Vorteil, dass um solch einen Komplex herum eine ganze Palette von fußballnahen Aktivitäten angesiedelt werden könnte. Das wiederum würde dem Verein mittelfristig weitere Einnahmen bringen. Borussia Mönchengladbach macht dies gerade vor.

 

Investitionen ins Stadion rechnen sich
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1 Kommentare zu "Wachstum im Fußball: Die Bundesliga braucht größere Stadien"

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  • falches Thema Carlos Santos!

    Wo geht die Reise des Fußballs hin? Angesichts viel zu hoher Spielergehälter und Ablösesummen wäre es ratsam hier mal eine Obergrenze einzuführen ansonsten ist der FUßball nicht mehr vor der totalen kommerziellen Ausschlachtung wie in England und hier mit RB Leipzig zu retten.

    Richtige Fans identifizieren sich mit einem Verein der aus der Gesellschaft kommt und nicht einfach von Investoren installiert werden. Solche Vereine wie dieser Verein in Leipzig sind nur der Anfang. Die Stadien werden größer und größer, vor allem die VIP Bereiche werden größer, alles Exklusiver. Der Einstieg für Investoren wird vereinfacht. Und irgendwann hat Herr Mateschitz einfach keinen Bock mehr und der Laden wird dicht gemacht und alle schauen doof (hoffentlich kommt es so).

    Ein Hoch auf die Ultabewegung welche sich originell gegen diese Kommerzialisierung stellen, ihre Vereine tragen und rund um den Verein soziale Projekte unterstützen.
    Wenn Ultras aus dem Stadion gedrängt werden, wird der Fußball so wie wir ihn kennen sterben! Dann kann sich kaum ein Familienvater mit 2 Kindern mehr ein Fußballspiel leisten, was ja jetzt schon fast so ist.

    Gegen den modernen Fußball!

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