Walter de Gregorio
Warum der Fifa-Kommunikationschef gehen muss

Es wird einsam um Sepp Blatter. Der scheidende Fifa-Präsident verliert seinen Kommunikationschef Walter de Gregorio. Die Trennung kommt nicht von ungefähr: die Krisenkommunikation des Weltverbands ist desaströs.
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ZürichKnapp vier Jahre war er das Gesicht der Fifa: Mediendirektor Walter de Gregorio. Am Donnerstag legte der Ex-Journalist plötzlich sein Amt nieder. Für Insider kommt die Demission aber alles andere als überraschend. „Er hätte schon vor Jahren gehen sollen“, meinte ein Fifa-Insider zum Handelsblatt. An der Spitze des Fußballverbandes habe sich seit einiger Zeit Unzufriedenheit mit de Gregorio aufgestaut.

So wird dem ehemaligen Sportjournalisten vorgeworfen, dass die Fifa unter seiner Führung viel zu passiv kommuniziert habe. Der Fußballspitzenverband habe stets nur auf Krisen reagiert, aber nie proaktiv agiert, heißt es intern. Es sei keine Strategie erkennbar gewesen.

Das Fass zum Überlaufen brachte dann offenbar de Gregorios flapsiger Witz, den er in der Schweizer TV-Talkshow „Schawinski“ zum Besten gegeben hat. Auf die Frage nach seinem Lieblingswitz antwortete der Ex-Fifa-Medienchef: „Sepp Blatter, sein Kommunikationschef und der Generalsekretär sitzen im Auto. Wer fährt? Die Polizei!“

Offiziell nennt die Fifa keine Gründe für den plötzlichen Rücktritt. Stattdessen wird der Ex-Mediendirektor mit netten Phrasen verabschiedet. „Walter hat die letzten vier Jahre unglaublich hart gearbeitet und wir sind ihm dafür sehr dankbar. Ich bin froh, dass wir bis Ende des Jahres auf seine Expertise zurückgreifen können“, zitiert die Fifa Generalsekretär Jérôme Valcke. Bis zur Benennung eines Nachfolgers wird de Gregorios bisheriger Stellvertreter Nicolas Maingot die Medienabteilung leiten.
Vor seinem Wechsel zur Fifa war de Gregorio angesehener Sportjournalist, der unter anderem für die „Sonntagszeitung“, die „Zeit“ und auch die „Weltwoche“ schrieb. Beim Boulevardblatt „Blick“ verantwortete er früher den Sportteil und war als solcher auch Mitglied der Chefredaktion.

Kurz zuvor trat der Fußball-Weltverband noch einmal Berichten über durchsuchte Büros und beschlagnahmte Computer in der Fifa-Zentrale in Zürich entgegen. Man habe am Mittwoch „wie geplant die erforderlichen elektronischen Daten im Zusammenhang mit den Bewerbungen um die WM-Turniere 2018 und 2022 zur Verfügung gestellt“, hieß es in einer Stellungnahme unter der Überschrift „Klarstellung“ am Donnerstag. Zur Untersuchung des Korruptionsskandals wurden der Schweizerischen Bundesanwaltschaft laut Fifa dabei IT-Daten übergeben.

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