Warum Werder die Champions League braucht: Verlieren streng verboten

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Warum Werder die Champions League braucht
Verlieren streng verboten

Wenn der gerade von der Tabellenspitze gestürzte SV Werder am Samstag beim VfB Stuttgart antritt, geht es nicht nur um Punkte, sondern auch um viel Geld. Verlierer-Cup statt Königsklasse – das wäre ein fatales Szenario für die Bremer.

BREMEN. Dritter gegen Zweiter. Da heißt es: Verlieren streng verboten! Unter dieses Motto hat jedenfalls Jürgen L. Born das Gastspiel bei den Schwaben gestellt. Der 66-jährige Bremer Vorstands- und Finanzboss, der drei Jahrzehnte für die Deutsche Bank in Südamerika tätig war, weiß, dass sich Werder aus wirtschaftlichen Gründen eines nicht leisten kann: hinter die Schwaben und den auf Platz vier lauernden FC Bayern München zurückzufallen. Das würde nämlich bedeuten: Uefa-Cup, den Franz Beckenbauer einst als „Cup der Verlierer“ bezeichnet hatte, statt Champions League.

„Eine Saison könnten wir uns das erlauben, aber wir müssten den Gürtel schon enger schnallen“, gesteht Born. „Durch die Champions League hat man heutzutage 15 Millionen Euro sicher“. Gelder, mit denen erst möglich war, Nationalspieler wie Per Mertesacker oder Ausnahmekräfte wie Diego zu locken. Und solche Profis verdienen an der Weser gut, vor allem im Erfolgsfall. Allein Miroslav Klose (Grundgehalt rund 2,2 Millionen Euro) winken Sonderzahlungen von bis zu einer Million Euro ein. „Es gibt stark leistungsabhängige Prämien“, bestätigt er.

„Wir werden immer Kämpfer sein“

Born und sein Geschäftsführerkollege Manfred Müller achten penibel darauf, dass der Rekordumsatz von 77,4 Millionen Euro (Geschäftsjahr 2005/2006) nicht zu falschen Schlussfolgerungen führt. „Wir sind in der Struktur so gesund, dass ich mich überhaupt wundere, dass wir einen Mannschaftsarzt anstellen“, scherzt Born. Credo: keine Schulden, kein Verkauf der Anteile, (noch) keine Veräußerung des Stadionnamens.

Doch das könnte sich alsbald ändern: Weil das Weserstadion (42 100 Plätze) längst zu klein geworden ist, „und wir auf allen Gebieten organisch wachsen“ (Born), geht der Klub den Ausbau zu einem reinen Fußball-Stadion mit mindestens 50 000 Plätzen an. Aufstockung um einen dritten Rang, inklusive Solardach und allem Schnickschnack. 50 Millionen Euro kostet das Projekt, für das die Bauarbeiten schon Ende des Jahres beginnen und im November 2008 abgeschlossen sein sollen. Die Erweiterung sei unabdingbar, um nicht von Standorten mit größerem Potenzial in Sachen Stadion und Sponsoren wie Berlin, Hamburg, Dortmund oder auch Stuttgart eines Tages wieder überholt zu werden. „Wir werden immer Kämpfer sein“, so Born, „und wir müssen jede Nische nutzen“. Und die Champions League erreichen.

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