Was die WM der Wirtschaft bringt
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Ein halbes Jahr vor dem Anpfiff versprechen sich deutsche Unternehmen gute Geschäfte von der WM - neben Weltkonzernen wie Adidas und Bertelsmann nutzen Mittelständler und Kleinbetriebe ihre Chance.

Bundestrainer Helmut Schön hat es schon damals, 1974, nicht gefallen, dieses ziemlich zackige "Ha! Ho! Heja Heja he!": "Bei Länderspielen singen die Zuschauer doch sowieso immer nur "Deutschland - klappklappklapp - Deutschland - klappklappklapp". Jung?, da brauchst du keinen neuen Schlachtruf erfinden." Jetzt, mehr als 30 Jahre nach dem guten Rat, findet Jack White schneller auf den Punkt: Ein paar Takte vorweg, dann kommt?s: "Fußball ist unser Leben" heißt die neue, alte Hymne, mit der der Berliner Schlagerproduzent ("Schöne Maid", "Theo, wir fahr?n nach Lodz") den Hit zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 landen will. White, ein gebürtiger Kölner, der mit bürgerlichem Namen Horst Nussbaum heißt und Mitte der Sechzigerjahre als Profi beim holländischen Erstligisten PSV Eindhoven kickte, hatte den Stadion-Klassiker zur WM 1974 im eigenen Land mit der deutschen Nationalelf eingespielt.

Damals standen Fußballhelden wie Sepp Maier, Franz Beckenbauer, Wolfgang Overath und Gerd Müller in himmelblauen Trainingsanzügen im Tonstudio und nuschelten sich durch Whites Komposition. Den Erfolg des Gassenhauers konnten auch die Stimmbruch-Kicker nicht verhindern - mehr als 230 000 Schallplatten drehten sich auf Dual-Plattenspielern oder in Musiktruhen Marke Schneewittchensarg. White, 65, seit 1999 Vorstandschef der nach ihm benannten Aktiengesellschaft, setzt auf die Retro-Hymne: "Die Leute werden sich auf die Schenkel klopfen."

Nicht nur Granden des deutschen Schlagerwesens wittern mit der WM das große Geld: Im ganzen Land bereiten sich Unternehmer, Manager und Kreative auf das große Weltturnier vor. Immer auf der Suche nach der ultimativen Killer- pardon: Kicker-Applikation. Was bringt den Umsatz auf Touren, wie können wir die WM, dieses globale Medienspektakel und die Aufmerksamkeit von Milliarden Zuschauern in der ganzen Welt nutzen? Von dem Großereignis wollen Konzerne ebenso profitieren wie Kleinbetriebe, Großstädte wie Dörfer; für ganze Branchen - vom Einzelhandel bis zur Telekommunikation - soll die WM zur Geldquelle werden.

Schon ein halbes Jahr vor dem Anstoß im Eröffnungsspiel am 9. Juni sind die Werbekampagnen von Coca-Cola, McDonald?s oder Continental - immer mit dem offiziellen WM-Logo und den leicht debilen Grinseköpfen am Bildrand - allgegenwärtig. Kinofilme und sogar Kunstausstellungen zum Thema Fußball kommen auf den Markt. Der offizielle WM-Wein gärt bereits.

Egal, ob Winzer, Verleger, Marketingstrategen oder Kunstkuratoren: Sie alle wollen - schon lange vor dem Endspiel am 9. Juli 2006 im Berliner Olympiastadion - die WM vorzeitig für sich entscheiden. Die Gelegenheit ist einmalig: So ein Spektakel kommt in Deutschland in diesem Leben nicht wieder. Keinem anderen Massenereignis stehen die nach Wirtschaftsflaute und Politik-Frust gebeutelten Deutschen so positiv gegenüber - und kein anderes weckt so große Hoffnungen.

50 000 Arbeitsplätze entstehen laut Bundesagentur für Arbeit und Deutschem Fußball-Bund neu - die meisten dieser Beschäftigungsverhältnisse, etwa als Bierverkäufer oder Mitarbeiter im Sicherheitsdienst, dürften allerdings mit dem Schlusspfiff der WM auch wieder aufgelöst werden.

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