Was Fußball lehrt
Gegen den Zufall kann man nicht gewinnen

Drei Halbfinals im DFB-Pokal hintereinander wurden durch rutschende Spieler entschieden. Trainer hassen diese skurrile Macht des Zufalls. Sie tun alles, um auf Überraschungen vorbereitet zu sein. Genau wie gute Manager.

DüsseldorfBorussia Dortmund führt 1:0, ist klar die bessere Mannschaft – aber Hertha BSC Berlin kommt Mitte der zweiten Halbzeit erstmals zu Chancen. Auch der FC Bayern war im Halbfinale vor einem Jahr deutlich besser und in Führung, als der BVB noch ausglich und später im Elfmeterschießen gewann. Doch so sollte es an diesem Abend nicht kommen: Dortmund gewann letztlich sicher mit 3:0 gegen die Hertha, weil deren Innenverteidiger Brooks ausrutschte und so den Weg frei machte für das entscheidende 2:0 durch Reus.

Im Fußball ist vieles nicht planbar: Verletzungen, Schiedsrichterentscheidungen, Formschwankungen – aber der Ausrutscher gilt als die Mutter der höheren Gewalt. So leicht geschehen, entscheidet er aber nur sehr selten Spiele. Umso skurriler, dass dies nun dreimal hintereinander in drei Halbfinals geschah. 

Im ersten Halbfinale am Dienstag zwischen dem FC Bayern München und Werder Bremen brachte das Kopfballtor von Thomas Müller den Rekordpokalsieger entscheidend in Front. Doch das war nur möglich, weil Müllers Gegenspieler Clemens Fritz ausrutschte. Am Ende siegten die Bayern mühevoll mit 2:0.  Im dramatischen Halbfinale 2015 rutschen mit Philipp Lahm und Xabi Alonso gleich zwei Münchener Kicker beim Elfmeterschuss aus. Ihre Bälle flogen weit übers Tor – Dortmund gewann deswegen.

Es war eine der schwersten Niederlagen für Bayerns Trainer Pep Guardiola. Und er wird sie umso mehr gehasst haben, weil seiner Elf etwas überhaupt nicht Planbares den Sieg kostete. Nun gilt es im modernen Fußball als überaus wichtig, dass Trainer die Macht des Zufalls möglichst reduzieren wollen.

Pep Guardiola gilt als Vorreiter, ja geradezu als manisch bei dem Versuch, alle möglichen Wendungen eines Spiels vorauszuberechnen und auf alles eine Antwort zu haben. Er machte die Bayern zur kaum kalkulierbaren Improvisationsmaschine: Läuft es in der ersten Halbzeit nicht, dreht Pep Guardiola an ein paar Stellschrauben und seine Elf kehrt so optimiert zurück auf den Rasen, dass das Konzept des Gegners nicht mehr aufgeht.

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