Watzke und die Fernsehgelder
„Wollen wir eine Werksmeisterschaft unter Dax-Konzernen?“

Borussia Dortmund Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hat Rückendwind. Nicht nur sportlich und auf seinen eigenen Verein bezogen, offenbar auch in Hinblick auf seinen Vorschlag, wie künftig die Fernsehgelder in der Liga verteilt werden. Das soll nach Beliebtheit passieren – und sorgt auch deshalb für heftige Reaktionen, weil die Variante gar nicht so unrealistisch scheint.
  • 0

HAMBURG. Die Idee, das Geld aus den TV-Einnahmen auch nach weichen Faktoren zu verteilen, wird lebhaft diskutiert und könnte die Bundesliga noch die nächsten Wochen begleiten. Im Gespräch mit Zeit Online bestätigt der Initiator der Debatte, Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, an seinem Modell festhalten zu wollen. Dem Ligavorstand hat Watzke ein Konzept vorgelegt, das Borussia Dortmund mit der Beratungsagentur Deloitte erarbeitet hat. Wenn die Liga im Jahr 2012 über den neuen Verteilerschlüssel diskutiert, will Watzke eine Mehrheit errungen haben. Hinter den Kulissen habe er viel Zustimmung erhalten.

Vor den Kulissen trifft Watzkes Vorstoß auf Kritik von vielen Seiten. Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge warnt davor, den Solidaritätsgedanken der Liga zu missachten. Wolfgang Holzhäuser, Geschäftsführer Leverkusens, wirft Watzke eine "Neiddebatte" vor. Auch die Presse kommentiert Watzkes Plan skeptisch. Die SZ hält ihm vor, angebliche Tradition als "Verkaufsargument und Teil der Marketing-Strategie" zu missbrauchen.

Auch unter Fans sowie in der Leser-Debatte von Zeit Online, sind sehr kritische Stimmen zu lesen. Der Sportjournalist René Martens schreibt dort: "Es gibt in der Fanszene, die viele Phänomene der Durchkapitalisierung des Fußballs zu Recht anprangert, den Hang dazu, ein Lob auf die so genannte Tradition in einer Art Knobelbechersound vorzutragen. Dass Watzke in jenem Milieu auf Zustimmung hofft, aus dem seine größten Kritiker stammen, ist hoffentlich kein Zeichen für die Entstehung einer sehr großen Koalition."

"Neiddebatte ist doch Unfug", entgegnet Watzke. "Im derzeitigen Ranking stehen wir weit oben, Borussia Dortmund würde von dem neuen Modell aktuell gar nicht profitieren." Bislang werden die TV-Millionen ausschließlich nach sportlichen Leistungen verteilt. "Das aktuelle DFL-Modell ist das einfachste in Europa", sagt Watzke, "das kreativste ist es nicht."

Sein Vorschlag sieht vor, die Hälfte des Betrags nach Kriterien wie Marken-Image, TV-Quoten oder Zahl der Fans zu bemessen. Holland, aber auch Frankreich und England hätten gute Erfahrung mit ähnlichen Modellen gemacht.

Natürlich gäbe es Verlierer einer Neuordnung: Werksvereine wie Bayer Leverkusen, der VfL Wolfsburg, aber auch die TSG Hoffenheim oder künftig RB Leipzig. Denn traditionell haben sie weniger Fans. Wer zur Attraktivität der Liga weniger beitrage, müsse auch weniger erhalten, argumentiert Watzke und fragt: "Wollen wir wirklich irgendwann eine Werksmeisterschaft unter Dax-Konzernen?"

Einen angeblichen Nebeneffekt verspricht sich Watzke von seiner Reform: Es entstünde ein neuer Wettbewerb um Kundenfreundlichkeit, Bundesliga-Vereine würden zur Markenpflege gezwungen, wenn sie für Image-Werte belohnt würden. Haben sich die Vereine damit bislang keine Mühe gegeben, könnten sich die Clubs im Umkehrschluss fragen.

Kommentare zu " Watzke und die Fernsehgelder: „Wollen wir eine Werksmeisterschaft unter Dax-Konzernen?“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%