Weahs Wahlprogramm gleicht einer langen Wunschliste
King George greift nach der Macht

Nach 14 Jahren Bürgerkrieg haben am Dienstag in Liberia die ersten demokratischen Präsidentschafts- und Parlamentswahlen begonnen. Ex-Weltfußballer George Weah ist ein aussichtsreicher Kandidat.

HB KAPSTADT. Kahl geschorenes Haupt, ärmelloses-T-Shirt mit eigenem Konterfei, mächtige Designer-Uhr und Goldkette. Mal ehrlich: So stellt man sich den künftigen Präsidenten eines Landes nicht vor. Auch wenn der gleiche Mann auf den Wahlplakaten einen dunklen Anzug mit Krawatte trägt, was erheblich präsidialer wirkt. Und auch wenn es sich bei dem Land, um das es geht, um den total zerstörten Bürgerkriegsstaat Liberia im Westen von Afrika handelt.

Doch bei King George wie der frühere Fußballstar George Weah in der Hauptstadt Monrovia ehrfurchtsvoll genannt wird, ist vieles anders. Schließlich ist er der berühmteste Sohn des Landes. Auch ist der 38-Jährige, mit Ausnahme des gestürzten Diktators Charles Taylor, der einzige Liberianer, den man dank seiner glorreichen Fußballkarriere bei AC Mailand, Paris St. Germain und Chelsea London auch in Europa kennt.

Wenn King George in seinem Geländewagen vorfährt und Hof hält, strömen die Menschen in Scharen. Zehntausende jubelten ihm mit Palmwedeln und Hosiannarufen wie einem Messias zu, als er im August durch die Straßen von Monrovia fuhr, um seine Präsidentschaftskandidatur zu verkünden. Hunderttausende kamen am Sonntag zu seiner Abschlusskundgebung und füllten einen vierspurigen Boulevard im Herzen der Capitale auf einer Länge von zehn Kilometern. Das lässt ihn schon wie einen Gewinner erscheinen. 1995 ist er bereits mit Erfolg gewählt worden – zum besten Fußballer der Welt. Nun will er mit der Wahl ins höchste Staatsamt seines Heimatlandes eine Lebensgeschichte krönen, die 1966 in Claratown, einem Slumgebiet von Monrovia, begann und über dessen staubige Straßen zu den Topteams in Europa führte.

Die Wahl des neuen Präsidenten fand am Dienstag statt– nach mehr als 14 Jahren Bürgerkrieg, der bis zu 200 000 Tote forderte und die Hälfte seiner 2,3 Mill. Menschen zu Flüchtlingen machte. Über 20 Kandidaten standen zur Wahl, viele davon enge Vertraute von Taylor, der aus dem Exil in Nigeria seit langem die Rückkehr plant. Mit Ergebnissen der Wahl wird erst in ein paar Tagen gerechnet.

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