Weg frei für Maradona
„Gaucho"-Coach hat sich verzockt – und gibt auf

José Pekerman hat sich in der wichtigsten Partie seiner Trainer-Karriere gnadenlos verzockt und mit seinen Wechseln das Aus der argentinischen Fußball-Nationalmannschaft im WM- Viertelfinale gegen Deutschland mitverantwortet.

HB BERLIN. Während die Trümpfe von Trainer-Kollege Jürgen Klinsmann beim 4:2 im Elfmeterschießen stachen, gaben die lange Zeit sicherer und souveräner auftretenden "Gauchos" ihren Sieg am Freitag vor 72 000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion aus der Hand. Symptomatisch: Der eingewechselte Esteban Cambiasso scheiterte mit dem entscheidenden Elfmeter kläglich an Deutschlands Torwart Jens Lehmann.

Nach dem WM-K.o. kündigte Pekerman seinen Rückzug an. "Ich denke, das war's. Das Kapitel ist abgeschlossen", teilte der Coach deprimiert mit.

Das Spiel war gekippt, als Pekerman zuerst in Juan Román Riquelme (ersetzt durch Cambiasso) das "Herzstück" der Mannschaft 18 Minuten vor dem Ende vom Platz nahm und kurz darauf auch noch Sturmtank Hernán Crespo (79.) auswechselte. Nur wenige Sekunden später klingelte es im Kasten der Argentinier - Miroslav Klose markierte mit seinem 10. WM-Tor den Ausgleichstreffer und leitete damit das Ende der "Albiceleste" bei dieser Weltmeisterschaft einleitete. Torwart Leonardo Franco, den Pekerman in der 71. Minute für den verletzt ausgeschiedenen und als Elfmeter-Killer bekannten Roberto Abbondanzieri hatte bringen müssen, war dabei machtlos.

Binnen acht Minuten hatte Pekerman sein Pulver verschossen, ohne seine gefährlichsten Waffen aufs Feld zu führen. Lionel Messi vom FC Barcelona schmorte zur Untätigkeit verdammt auf der Bank.

Insgesamt brachte es das "Wunder" (Pekerman über Messi) nur auf 122 Turnierminuten. Auch auf den pfeilschnellen Rodrigo Palacio (Boca Juniors), der sich bei Kontern gegen die in den Schlussminuten anrennenden Deutschen hätte in Szenen setzen können, verzichtete der Coach. Stattdessen wechselte er für Crespo den behäbigen Julio Cruz von Inter Mailand ein, mit dessen WM-Nominierung Pekerman bereits für Verwunderung gesorgt hatte.

In der Verlängerung, in der beiden Mannschaft zusehends die Kräfte schwanden, konnten Pekermans Joker keinen Stich machen. Eckbälle und Freistöße, zumeist getreten von Maxi Rodriguez, waren längst nicht so präzise wie die von Riquelme. Dagegen ging von den von Klinsmann eingewechselten David Odonkor, Tim Borowski und Oliver Neuville ständig Gefahr aus. "Ich mache mir keine Gedanken um die Zukunft", hatte der von argentinischen Medien kritisch beäugte Coach, dem zudem Fußball-Legende Diego Maradona im Nacken sitzt, noch vor der Partie gesagt. Nach dem Spiel dachte er anders.

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