Weibliche Ware Fußball Der schwierige Weg weg vom Äußerlichen

Der Frauenfußball muss sich zur WM im kommenden Jahr in Deutschland von der Reduzierung aufs Äußerliche emanzipieren. Bei der Auslosung der Vorrundengruppen waren die Veranstalter davon weit entfernt.
  • Sven Goldmann
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Adriana Karembeu bei der WM-Gruppenauslosung in Frankfurt: Die Losfee verdankt ihre Berühmtheit vor allem ihren langen Beinen. Quelle: DAPD

Adriana Karembeu bei der WM-Gruppenauslosung in Frankfurt: Die Losfee verdankt ihre Berühmtheit vor allem ihren langen Beinen.

FRANKFURT. Die lustigsten Sätze des Abends sprach Petra Roth. Die Frankfurter Oberbürgermeisterin dankte erst dem Fußball-Weltverband Fifa dafür, dass ihre Stadt "mit der endlosen Ausrundung betraut wurde". Und kurz nach der Endrunden-Auslosung der Frauen-WM im kommenden Jahr freute Frau Roth sich schon mal aufs Endspiel, denn da "geht es um jeden Punkt".

Gut, dass die Fernsehkameras noch nicht eingeschaltet waren, sonst hätte sich ein Millionenpublikum zur besten Sendezeit mal wieder das Maul zerreißen können über Frauen und Fußball. Schalke 05 und so. Carolina Morace kennt diesen Reflex. Es ist jetzt bald zwölf Jahre her, da hat Signora Morace als erste Frau überhaupt versucht, die Männer eines Profiteams zu trainieren. Das Experiment beim italienischen Drittligisten US Viterbese währte zwei Spiele lang. Nach reichlich Witzen über gemeinsames Duschen und der Erkenntnis, dass der Vereinsboss sie nur zu PR-Zwecken engagiert hatte, war Schluss. Carolina Morace kündigte und zog sich wieder zurück in ihre Berufe als Rechtsanwältin und Fernsehkommentatorin. 2006 verkündete sie aus Berlin Italiens Triumph im WM-Finale gegen Frankreich.

Fünf Jahre später wird sie ins Olympiastadion zurückkehren. "La Morace" trainiert die kanadische Nationalmannschaft, die am 26. Juni im Spiel gegen Deutschland die WM eröffnet. Ja, sie ist ein bisschen aufgeregt, "vor so einem Publikum spielst du ja nicht so oft", denn die Deutschen würden bestimmt für ein ausverkauftes Stadion sorgen, "ihre Organisation ist perfekt".

Dass aber nun am Gelingen der WM 2011 die Zukunft ihres Sports liege, geht Morace dann doch ein bisschen zu weit. "Frauenfußball wächst in vielen Ländern, nicht nur in Deutschland", sagt sie. Und dass die Zukunft doch eher in der Faszination des Spiels liege. Es ist dieses Selbstbewusstsein, das sich abhebt von dem allgemeinen Trend, Frauenfußball der Männerwelt vor allem als Ware von äußerer weiblicher Anmut anzupreisen. Morace wurde bei ihrem Dienstantritt in Viterbese mit einem rosa ausgeschmückten Stadion empfangen. Das ist gar nicht so weit weg von dem Niveau, für das sich die WM-Organisatoren DFB und Fifa entscheiden haben.

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