Weltmeister in Wettskandal verwickelt
„Dann bleibt mir nur mich umzubringen“

In Italien nimmt der Wettbetrugsskandal immer größere Dimensionen an: Vermutlich haben die Hintermänner der manipulierten Spiele der Serie A sogar die WM im Visier. Mittendrin im Skandal: Italiens Weltmeister Gattuso.
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Italiens Weltmeister Gennaro Gattuso kann es nicht fassen. Der einstige Kampfterrier im Mittelfeld steht im Mittelpunkt einer neuen Episode der Wettbetrugssaga im italienischen Fußball. „Niemals in meinem Leben habe ich darüber nachgedacht, ein Spiel zu manipulieren. Wer mich kennt, weiß doch, dass ich nicht einmal ein Trainingsspiel verlieren kann“, sagte Gattuso italienischen Medien – und wirkte dabei glaubwürdig.

Der Weltmeister von 2006 und zweimalige Gewinner der Champions League mit dem AC Mailand holte noch das ganz große rhetorische Besteck hervor und drohte: „Wenn diese Vorwürfe bewiesen werden, dann bleibt mir nichts anderes übrig, als auf die Piazza zu gehen und mich umzubringen.“

Aber mit seinen starken Sprüchen kann Gattuso nicht ungeschehen lassen, dass in der Nacht zum Dienstag Carabinieri seine Wohnung durchsuchten. Vorgeworfen wird ihm bislang kein konkretes Delikt. „Wir haben die Hausdurchsuchung durchgeführt, um Beweismaterial zu sichern“, sagte Staatsanwalt Roberto Di Martino auf einer Pressekonferenz wenige Stunden nach Razzien an 16 verschiedenen Orten sowie vier Verhaftungen.

In seinem 212-seitigen Durchsuchungsbefehl taucht der Name Gattusos auf 21 Seiten auf. Beschrieben werden dort Kontaktaufnahmen von einem mutmaßlichen Mittelsmann der Wettmafia, der bisher nur mit dem Decknamen „Mr. Y“ und dem Kürzel „Civ“ in den Akten aufgetaucht war.

Seit Dienstagfrüh weiß man, dass sich der Bologneser Geschäftsmann Francesco Bazzani hinter „Mr. Y“ verbirgt. Bazzani soll ein Vertrauter des zuvor bereits in den Wettskandal verwickelten und auch sanktionierten Ex-Nationalspielers Giuseppe Signori sein. Zahlreiche geständige Beschuldigte nannten Bazzani als einflussreiche Kontaktperson.

Bazzani trat den Ermittlungsunterlagen zufolge, die Handelsblatt Online vorliegen, wiederholt unmittelbar vor Spielen des AC Mailand in telefonischen Kontakt mit Gattuso. Vier dieser Spiele aus der Saison 2010/11 gelten als verdächtig.

Das Ergebnismuster von drei der vier Spiele – ein 0:0 gegen Lazio Rom, ein 1:1 gegen AS Bari sowie ein 2:1-Sieg gegen Chievo Verona – passt allerdings nicht in das bislang bekannte Betrugsbild. Allein das 4:1 gegen Cagliari würde mit der Praxis der Wettbetrüger, auf eine hohe Anzahl von Toren zu setzen, konform gehen.

Aber wer steckt schon im Kopf von Wettbetrügern? „Sie agieren unglaublich flexibel. Manchmal manipulieren sie Spiele nur, setzen aber gar nicht auf das Ergebnis. Sie tun dies, um ihren Investoren zu beweisen, dass sie eine Mannschaft kontrollieren“, erklärt der australische Ermittler Michael Pride, dessen Detektei Sports Intelligence den aktuellen Skandal im englischen Fußball aufgeklärt hatte, gegenüber Handelsblatt Online.

Kommentare zu " Weltmeister in Wettskandal verwickelt: „Dann bleibt mir nur mich umzubringen“"

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  • Unglaublich, selbst zu so einer Meldung hat jemand eine Meinung! Wen interessierts? Der Typ hat sein Geld verdient....Für mich hat diese Meldung soviel Gewicht, wie wenn in China en Sack Reis rumfällt. Oder haben wir es vielleicht doch mit einem Experten der italiänischen Wettmafia zu tun? Wo kann man so etwas studieren? Das würde mich eher interessieren! Großartig!!

  • Ich glaube nicht, daß Herr Gattuso Spiele manipuliert hat, denn Spieler wie er wollen gewinnen.

    Wenn jemand aus der Wettmafia "Kontakt aufgenommen hat", dann heißt es noch lange nicht, daß der Kontakt später auch im Sinne der Mafia zum Erfolg führte.

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