Weltmeister trifft auf den Asienmeister
Zicos Japaner brauchen ein Wunder gegen Brasilien

Heute um 21.00 Uhr steigt in Dortmund das Duell zwischen Weltmeister Brasilien und Asienmeister Japan. Die Asiaten brauchen ein kleines Wunder, wenn es mit dem Einzug in das Achtelfinale doch noch klappen soll.

Aufhören will er ohnehin, doch ausgerechnet gegen sein Heimatland Brasilien droht Zico ein vorgezogener Abschied als Trainer der japanischen Nationalmannschaft. Nach nur einem Punkt aus den ersten beiden WM-Spielen steht er mit seinen "Blauen Samurai" vor dem Aus in der Vorrunde, und verhindern kann dies der Asienmeister nur, wenn er am Donnerstag Rekordweltmeister Brasilien in Dortmund schlägt (21.00 Uhr/live im ZDF und bei Premiere). Dazu müsste gleichzeitig Australien gegen Kroatien verlieren.

"Brasilien ist einer der Top-Favoriten. Daher wissen wir, dass es ganz schwierig wird", sagte der 53 Jahre alte Zico, der das Team der Japaner nach dessen Ausscheiden im WM-Achtelfinale 2002 übernahm und nach der Endrunde seinen Posten räumen wird. Er liebäugelt mit einem Trainerjob bei einem Spitzenklub in Europa. Dabei ruft das Spiel gegen die "Selecao" bei Zico besondere Emotionen hervor. "Ich muss sehr stark sein, um bei einer WM gegen mein Heimatland anzutreten", meinte Zico in Erinnerung an die Partie beim "Confed Cup". "Was ich bei den Nationalhymnen durchgemacht habe, wünsche ich niemandem. Meine Gefühle hätten mich fast übermannt", sagte der 89-malige Nationalspieler (66 Tore) schon nach dem beachtlichen 2:2 im Sommer vergangenen Jahres gegen die Brasilianer.

Zico: "Sie sind keine Monster"

Das gute Resultat lässt Arthur Antunes Coimbra, so der bürgerliche Name des ehemaligen Mittelfeldstars, hoffen: "Wir haben damals unser Können gezeigt. Wenn uns so eine Leistung wieder gelingt, können wir Brasilien ärgern. Sie sind keine Monster."

Zudem hofft Zico, der auf seinen gesperrten Abwehrchef Tsuneyasu Miyamoto verzichten muss, auf die Mithilfe seiner Landsleute. "Häufig wechseln Mannschaften, die bereits weiter sind, ihre Formation. Mal sehen, was die Brasilianer machen." So könnte der mit Gelb vorbelastete Emerson seinen Platz im defensiven Mittelfeld für Gilberto Silva räumen.

Virtuosität war das Markenzeichen des Spielers Zico, der dreimal an einer WM teilnahm (1978, 1982 und 1986). Als Trainer gibt es sich ausgesprochen dünnhäutig. Zunächst beschwerte er sich über den Rasen in Kaiserslautern, dann beklagte er beim Weltverband Fifa, dass seine Mannschaft bei der großen Hitze die Spiele gegen Australien (1:3) und Kroatien (0:0) jeweils um 15.00 Uhr hatte absolvieren müssen.

Japan hat bisher enttäuscht

Die Japaner haben bisher enttäuscht, die Kritik in der Heimat an Zico wird lauter. Im Team hatte es schon im Vorfeld Krach gegeben wegen der Art und Weise der Vorbereitung. Hidetoshi Nakata warf dem Coach eine zu lockere Gangart in den Trainingseinheiten vor, Naohiro Takahara beklagte den Medienrummel: Jedes Training der Japaner im Bonner Nordpark wurde öffentlich ausgetragen. Zudem wich Zico von seiner Linie ab. Vor dem Spiel gegen die Kroaten wechselte er vom gewohnten 3-5-2-System auf ein 4-4-2. Mit mäßigem Erfolg.

Im Vorfeld hatte er ganz andere Erwartungen bei den Fans und den zahlreich mitgereisten Journalisten geweckt. "Wir sind gekommen, um zu siegen. Das Halbfinale kann für uns machbar sein." Davon redet im WM-Quartier in Bonn niemand mehr. Dabei war der "weiße Pele" mit besten Voraussetzungen in seinen Job gestartet. Zico galt nach zehn Jahren als Profi, Coach und Technischer Direktor in der J-League als ausgesprochener Kenner des japanischen Fußballs und der Mentalität der Asiaten. Nun ist seine Lage fast aussichtlos, auch wenn er sagt: "Die Spieler kämpfen für ihr Land und werden alles versuchen."

Die Brasilianer hoffen unterdessen darauf, dass bei Torjäger Ronaldo der Knoten endlich platzt. "Ich werde wieder treffen. Zwei Spiele ohne Tor sind genug", sagt der WM-Torschützenkönig von 2002. Teamkollege Kaka ergänzte: "Kroatien und Australien standen nur hinten drin. Japan muss offensiv spielen, da haben wir mehr Räume. Das liegt uns."

© SID

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