Wembley
Das Pannenstadion erlebt sein erstes großes Fußballfest

Nach fünf Jahren Bauzeit eröffnet in London ein neues nationales Wahrzeichen: Manchester United und der Chelsea FC treffen sich zum Pokalfinale im neuen Wembley.

LONDON. Wembley – der Name steht seit Jahrzehnten für dramatische Sternstunden des Fußballs. Für die Londoner steht er seit einigen Jahren auch für blamablen Pfusch am Bau. Stolz erhebt sich der weiße Metallbügel im Nordwesten der Stadt über dem gleichnamigen Stadtteil – bei gutem Wetter leicht aus den Hochhäusern der City zu sehen. 90 000 bequeme, überdachte Sitzplätze bietet der neue Fußballdom und eine nie gesehene Auswahl an VIP-Logen und Restaurants. Doch eine Serie von Pleiten und Pannen haben das Vorzeigeprojekt über Jahre zur Lachnummer verkommen lassen.

„Anfang 2006 wird das neue Stadion eröffnet“ – so steht es noch heute in der Zeitleiste auf der offiziellen Webseite. Das hat nicht ganz geklappt. Die 2002 begonnenen Bauarbeiten versanken bald im Chaos, aus der Dachkonstruktion stürzende Metallteile erforderten Evakuierungen und eingeschleuste Reporter berichteten von weit verbreitetem Drogenkonsum unter den Bauarbeitern. Der Generalunternehmer, der erfahrene australische Baukonzern Multiplex, wollte bei einem Auftragsvolumen von 650 Mill. Euro eigentlich einen ordentlichen zweistelligen Millionengewinn erwirtschaften. Doch der jüngste Jahresbericht weist einen voraussichtlichen Verlust von 270 Mill. Euro aus. Das Unternehmen will Betreiber und Lieferanten verklagen, um sich das Geld zurückzuholen.

Im März hat Multiplex zwar den Bau an den englischen Fußballverband FA übergeben, aber die Pannen nehmen kein Ende. In letzter Minute mussten 17 000 Sitze ausgetauscht werden, weil sie im April in der prallen englischen Sonne ihre Farbe verloren. Und als das vorsommerliche Wetter in Regen wechselte, war das auch nicht gut: Bei der Vorpremiere am vergangenen Samstag – dem Finale eines zweitrangigen Pokalwettbewerbs – drang in einem Block Wasser durch das Dach und plätscherte Wand und Treppe hinunter, so dass 50 Fans umgesetzt werden mussten.

Aber morgen wird all das vergessen sein, wenn es in Wembley endlich wieder großen Fußball zu sehen gibt: Der Meister Manchester United trifft im FA-Cup-Finale auf den Vorjahresmeister Chelsea FC. Dann wird – wenn technische Pannen ausbleiben – die prachtvolle neue Arena erstmals von Schlachtgesängen widerhallen, so wie es sich für eine nationale Sportstätte gehört.

Der Name Wembley wird nicht nur für englische, sondern auch für deutsche Fußballfans immer einen besonderen Klang haben. Für die einen wegen des noch immer einmaligen Weltmeistertitels 1966, für die anderen wegen des skandalösen „Wembley-Tors“, das Deutschlands Niederlage im damaligen Finale besiegelte. Immerhin gelang Dietmar Hamann, damals Mittelfeldspieler in Diensten des FC Liverpool, 35 Jahre später eine kleine Revanche: Er erzielte das letzte Tor im alten Wembley-Stadion – zum 1:0-Sieg für die deutsche Mannschaft gegen England.

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