Werder Bremen empfängt den FC Bayern
Hitziges 2:2 im verbalen Vorspiel

Das Bundesligaduell zwischen Werder Bremen und Bayern München am Samstag wirft seine Schatten voraus. Bremens Sportchef Thomas Eichin kritisiert die Schiedsrichter und die Bayern – die Reaktion aus München folgt prompt.
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BremenWerder Bremens Bilanz der letzten Jahre gegen die scheinbar übermächtigen Bayern ist mehr als gruselig: Die vergangenen neun Partien gingen allesamt verloren, in den vergangenen vier Begegnungen musste das Team von der Weser insgesamt 24 (!) Gegentore schlucken. Vor dem Spiel am Samstag hat Werders Sportdirektor Thomas Eichin zum Rundumschlag ausgeholt – gegen die Schiedsrichter der Bundesliga und gegen die Münchener selbst.

„Bei den Bayern musst du aufpassen, wenn du in die Zweikämpfe gehst“, sagte Eichin gegenüber dem Weserkurier. „Ich habe das Gefühl, dass mit zweierlei Maß gemessen wird.“

Ein kurzer Rückblick: Im DFB-Pokalspiel gegen Eintracht Braunschweig kommt Bayerns Mittelfeldstar Franck Ribéry, der am Samstag verletzungsbedingt fehlen wird, nach einer Tätlichkeit um die Rote Karte herum. „Der hätte schon fünfmal runtergemusst in dieser Saison“, motzte Eichin daraufhin. Nur drei Tage später, in der Bundesligapartie bei Hannover 96, bekommen die Bayern beim Stande von 1:1 einen strittigen Strafstoß zugesprochen – Thomas Müller verwandelt und erhöht später noch auf 3:1.

Grund genug für Eichin, das verbale Vorspiel zu eröffnen. Auch Bayerns Trainer Pep Guardiola bekommt wegen seiner Ausflüge aus der Coaching-Zone sein Fett weg. „Guardiola? Der kann machen, was er will.“ Werder Bremen führt also schon vor dem Anpfiff mit 1:0. Die Reaktion der Münchener Verantwortlichen lässt nicht lange auf sich warten. Karl-Heinz Rummenigge und Matthias Sammer kontern mit scharfen Worten – plötzlich sind die Bayern nach diesem Doppelschlag mit 2:1 in Führung.

Der Vorstandsvorsitzende Rummenigge fühlt sich nach dieser Diskussion prompt an seine Schulzeit erinnert. „Es war natürlich viel Blödsinn, was er da von sich gegeben hat. In der Schule würde ich sagen: In die Ecke und schäm dich!“ Sportdirektor Matthias Sammer ging noch einen Schritt weiter und zog den Vergleich zum Eishockey-Geschäft, in dem Eichin vor seinem Engagement an der Weser noch tätig war. „Wahrscheinlich hat er zwischendurch mal einen Puck an den Kopf bekommen, und das sind die Spätfolgen jetzt“, gab Sammer nach dem Weiterkommen in der Champions League zu Protokoll.

Von den Giftpfeilen aus München ließ sich Thomas Eichin allerdings nicht unterkriegen. Der 1:2-Rückstand hatte nur wenige Stunden Bestand, da glich der Bremer Sportchef auch schon am Donnerstagmorgen zum leistungsgerechten 2:2 aus. „Ich habe tatsächlich schon mal einen Puck an den Kopf bekommen und unser Doc hat bestätigt, dass da Folgeschäden entstehen können“, konterte der 48-Jährige und ergänzte: „Die heftige Reaktion zeigt doch, dass etwas Wahres dran ist.“ Auch Werders Trainer Viktor Skripnik möchte vor seinem ersten Duell mit dem Rekordmeister eine bevorzugte Behandlung erkannt haben. Trotzdem versucht man in Bremen den Fokus auf das Wesentliche, nämlich das Spiel, zu lenken.

Den Vorsitzenden der Schiedsrichter-Kommission des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Herbert Fandel, ließ der verbale Schlagabtausch im Vorfeld kalt. „Ich lasse die getätigten Aussagen unkommentiert, denn sie sprechen für sich“, äußerte sich Fandel auf „bild.de.“ Der DFB hat jedenfalls den erfahrenen Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer mit der Leitung des Bundesliga-Klassikers beauftragt. Der 46-Jährige aus Herne wird am Samstag wohl mehr Aufmerksamkeit bekommen, als ihm lieb ist – dem 2:2-Remis im verbalen Vorspiel sei Dank.

Mit Material von dpa

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