Werder im Uefa-Cup gegen Ajax
Kampf der Systeme

Während in Bremen Thomas Schaaf auf das 4-4-2-System schwört, gibt es beim heutigen Uefa-Cup-Gegner Ajax Amsterdam praktisch einen permanenten Zwang zum 4-3-3, dem Mantra der niederländischen Fußball-Kultur. Wie schwer sich der SV Werder mit dieser taktischen Formation des Gegners tut, zeigen die jüngsten Rückschläge.

BREMEN. Die Nachfrage bei Markus Rosenberg sei nicht notwendig, sagt Thomas Schaaf beiläufig. Auch ohne die Tipps des ehemaligen Ajax-Stürmers sieht sich der Trainer von Werder Bremen bestens versorgt. Vier Mal hat allein Chefscout Hune Fazlic den Gegner im heutigen Drittrundenspiel des Uefa-Cup observiert. Zuletzt beim 4:1 gegen Feyenoord Rotterdam und beim 2:1 gegen den FC Den Haag.

Seit Tagen schon tauschen sich Fazlic und Schaaf über Stärken und Schwächen des niederländischen Gegners aus, so dass der Werder-Trainer am vergangenen Sonntag als Gast der N3-Sendung „Sportclub live“ so viele Namen auflistete, das dem Moderator der Mund offen stand. John de Mul, Leonardo, Ryan Babel, Kenneth Perez oder Mauro Rosales, wobei sich Thomas Schaaf allein auf die möglichen Varianten der Ajax-Außenstürmer bezog. Und dabei warnte: „Da kommt eine große Nummer auf uns zu.“

Zudem eine Spielphilosophie, die sich gänzlich von der seinen unterscheidet. Während Schaaf schon Ende der neunziger Jahre bei den Werder-Amateuren in der dritten Liga auf das heute praktizierte 4-4-2-System schwor, gibt es bei Ajax Amsterdam praktisch einen permanenten Zwang zum 4-3-3, dem Mantra der niederländischen Fußball-Kultur. Und der aktuelle Ajax-Trainer Henk ten Cate gilt als glühender Verfechter des Spiels über die Außen. Den Ex-Bremer Angelos Charisteas sortierte er beispielsweise mit dem Argument aus: „In einem System mit zwei Stürmer ist er fantastisch. Aber wir spielen nun mal mit drei Angreifern.“

Deshalb ließen sie auch den schwedischen Nationalspieler Rosenberg nach Bremen ziehen. Der heute wegen seiner Uefa-Cup-Einsätze im Ajax-Dress nicht spielberechtigte 24-Jährige sagt selbst, dass er in Amsterdam nicht ins System gepasst habe. Mit drei Spitzen zu spielen ist dort Naturgesetz, das einst der legendäre Trainer Rinus Michels mit seinem bei der WM 1974 praktizierten „Fußball total“ implementierte. Die Spieler rochieren ständig, die Flügel sind permanent besetzt – so lässt Nationaltrainer Marco van Basten noch heute spielen. Einem Bondscoach ist per se untersagt, davon abzuweichen – und wenn einer das tat, bekommt ihm das selten gut, wie die Entlassung Dick Advocaats zeigte.

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