Werder und HSV
Das finanzielle Desaster der Klubs im Norden

Die Traditionsvereine HSV und Werder Bremen liegen sportlich und wirtschaftlich am Boden. Die gewohnten Erlösquellen versiegen. Künftig darf es daher keine Denkverbote mehr geben. Eine Analyse.

DüsseldorfWelche Neuzugänge wird der Hamburger SV noch präsentieren? Die Frage muss Dietmar Beiersdorfer, Vorstandsvorsitzender der HSV Fußball AG, mit einer Gegenfrage beantworten: „Hat der HSV denn noch welche bekannt gegeben?“ Es ist Montagabend, kurz nach 18 Uhr im CCD in Düsseldorf. Das Transferfenster in diesem Winter ist gerade zu. Und Beiersdorfers Frage wird zur Pointe.

Die Nachricht, dass es ausgerechnet bei den Hamburgern zu einer Transferpanne gekommen ist, löst im Saal Gelächter aus. Der HSV-Chef nimmt es mit Humor und fragt, ob denn wenigstens die anderen geklappt hätten. Die Episode fügt sich in das Bild, das der Traditionsverein aus der Hansestadt seit einigen Jahren abgibt. Und schon fast krampfhaft versucht loszuwerden.

Auf dem Branchentreff SpoBis, Europas größter Sport-Business-Kongress, referiert Beiersdorfer gemeinsam mit Marco Bode, Aufsichtsratsvorsitzender des SV Werder Bremen, über die Zukunft der beiden norddeutschen Erzrivalen. Deren Situation ähnelt sich derzeit. Der HSV ist nach Jahren des Abstiegskampfs und interner Grabenkämpfe nur noch ein Schatten des einstigen Spitzenvereins.

Die Ausgliederung des Profibereichs im Sommer 2014 beförderte den ehemaligen Sportchef Beiersdorfer auf den Chefsessel. Er soll im Rahmen der Initiative HSV Plus die sportlich und wirtschaftlich prekäre Lage herumbiegen. Der Klub wird gerade im Jugendbereich völlig umgekrempelt, Investoren sollen über den Verkauf von Vereinsanteilen Geld in die klammen Kassen spülen. 16,9 Millionen Euro Verlust hat der HSV im abgelaufenen Geschäftsjahr verbucht – Negativrekord.

Auch Werder Bremen ist vom Glanz vergangener Jahre weit entfernt. Dort beträgt das Minus aktuell vergleichsweise geringe 5,9 Millionen Euro. Doch es ist auch das vierte Negativergebnis in Folge, das Eigenkapital sinkt. Es gibt weniger Kosten und Verbindlichkeiten als beim hanseatischen Rivalen, dafür aber keinen Investor. Chefaufseher Bode, als Spieler einer der großen Legenden des Klubs, betont daher auch, dass Bremen „völlig offen für Partner ist“.

Bremen und Hamburg sind auf ihre Art zwei Lehrbeispiele dafür, wie schnell sich Traditionsmarken im Profifußball überleben können. Noch vor wenigen Jahren zählten beide Teams zu den 20 erfolgreichsten Klubs Europas. Beide zollen nicht nur eigenen Verfehlungen Tribut. Sie haben auch wichtige Entwicklungen verschlafen. Und die Konkurrenz aus dem Liga-Mittelfeld hat sich durch geschicktes Management von den Faktoren Geld und Größe entkoppelt.

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