Wettskandal-Prozess
Zwei Angeklagte teilgeständig

Vor dem Landgericht Bochum hat der Prozess um den größten Manipulationsskandal im europäischen Fußball begonnen. Den Angeklagten wird gewerbs- und bandenmäßiger Betrug vorgeworfen. Zwei der Beschuldigten geben das auch zu - zumindest in Teilen.

Im ersten Prozeß um den größten Wettskandal im europäischen Fußball packen zwei der Angeklagten aus. Die Beschuldigten Nürettin G. und Tuna A., die der Führungsebene der Wettmafia zugeordnet werden, sind "teilgeständig", wie Staatsanwalt Andreas Bachmann nach dem ersten Sitzungstag vor dem Bochumer Landgericht erklärte. Die beiden, denen gewerbs- und bandenmäßiger Betrug in 24 Fällen vorgeworfen wird, haben laut ihrer Anwälte "umfangreiche Aussagen" zu den Strukturen und der Arbeitsweise der Organisation gemacht und wollen auch vor Gericht ein Geständnis ablegen.

"Wir haben die Anklage auf unsere eigenen Ermittlungen gestützt, aber die Aussagen runden das Bild ab", sagte Bachmann, der am ersten Verhandlungstag die Anklage verlas. Die Beschuldigten selbst kamen vor der 13. Wirtschaftsstrafkammer noch nicht zu Wort. Insgesamt wird gegen 250 verdächtige Personen ermittelt, mittlerweile stehen 300 Spiele im In- und Ausland unter Manipulationsverdacht, 15 Ermittler sind weiterhin im Einsatz.

Vor allem Nürettin G. will sich in dem ersten Prozess als Kronzeuge betätigen. "Er ist in weiten Teilen geständig", sagte sein Anwalt Jens Meggers, "er hat umfangreiche Aussagen gemacht, nicht nur zu den ihm vorgeworfenen Taten." Der Türke wird dem inneren Zirkel der Bande um den Wettpaten Ante S., der bereits Drahtzieher im Manipulationsskandal um den früheren Schiedsrichter Robert Hoyzer war, zugerechnet.

"Er hat gute Beziehungen in die Türkei, da ist wohl sehr viel manipuliert worden", sagte Meggers: "Seine Aussagen haben dort zu 70 Festnahmen geführt." Der Anwalt rechnet damit, dass G. wegen seiner Kooperation vergleichsweise glimpflich davonkommt: "Die Anklage baut im Wesentlichen auf seinen Aussagen auf. Ich bin sicher, dass er einen guten Rabatt bekommt."

Die ebenfalls angeklagten Stevan R. und Kristian S., die vorwiegend den Kontakt zu den bestochenen Spieler hergestellt und als Geldboten fungiert haben sollen, sind dagegen bislang nicht kooperativ. Ihre Anwälte stellten einen Befangenheitsantrag gegen die Richter, über den bis zum zweiten Sitzungstag am 14. Oktober entschieden werden soll. Schon zuvor hatten die Verteidiger die Zuständigkeit des Gerichts angezweifelt und Anträge auf Einstellung des Verfahrens gestellt, die abgelehnt wurden.

Die vier Angeklagten sollen 370 000 Euro aufgewendet haben, um Spieler oder Schiedsrichter zu bestechen. Insgesamt sollen rund zwei Mill. Euro auf die betroffenen 32 Spiele gesetzt worden sein, die Gewinne sollen sich auf 1,6 Mill. Euro belaufen. Die Anklage, die insgesamt 38 Fälle umfasst, gab Einblick in den Sumpf von Korruption und Bestechung, auf den die Ermittler durch Zufall bei Telefonüberwachungen im Drogenmilieu stießen.

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