Wie Blatter die Fifa regiert
„Jede Bananenrepublik kann Einfluss nehmen“

Zwei Ermittlungsverfahren stürzen die Fifa ins Chaos. Ihren Boss Joseph Blatter lässt das kalt. Er taucht ab - seinen Einfluss hat er lange vor der Präsidentschaftswahl gesichert. Und die Uefa? Sagt ihren Boykott ab.
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Düsseldorf/ZürichJoseph Blatter, der seit 1998 Fifa-Chef ist, scheint sich seiner Sache sehr sicher zu sein. Er zieht – bisher jedenfalls – eine Vertagung seiner wohl erneuten Wahl zum Präsidenten offenbar gar nicht erst in Betracht. Warum auch? Das System Blatter läuft im Fußball-Weltverband seit vielen Jahren wie geschmiert. Der 79-Jährige gilt als Stehaufmännchen. Bislang konnte ihn keine noch so große Krise umhauen.

Die Wahl zu seiner fünften Amtszeit ist auch nach dem „Beben“ von Zürich wohl nur noch Formsache. Schließlich ist ihm die Unterstützung aller Kontinentalverbände, außer der Uefa, sicher. Alle Fußballnationen sind gleichberechtigt und dürfen je eine Stimme bei der geheimen Wahl am Freitag abgeben. Die in der Wahrnehmung mächtige Uefa (53 Mitglieder) kann bei der Wahl also leicht überstimmt werden. Zumindest dabei ist die Uefa: Die Europäische Fußball-Union wird entgegen ursprünglichen Überlegungen den Fifa-Kongress nicht boykottieren und will bei der Präsidentschaftswahl am Freitag zu großen Teilen für Prinz Ali bin al-Hussein votieren. Das teilten mehrere Uefa-Mitglieder am Donnerstag mit.

„Jede Bananenrepublik kann da maßgeblich Einfluss nehmen“, sagt der Münchener Compliance-Experte Manuel Rene Theisen dem Handelsblatt. Und Blatter weiß seit jeher, wie er die restlichen 156 Fifa-Mitglieder aus Afrika, Asien und Amerika an sich bindet – nämlich mit viel Geld.

So ließ der afrikanische Kontinentalverband bereits verlautbaren, dass seine Fußballfunktionäre Blatter trotz der Ermittlungen weiter unterstützen werden. Kein Wunder: Blatter verschafft den Kontinentalverbänden Geld, das an die Nationalverbände weitergezahlt wird und dann in dunklen Kassen verschwindet. Beim Fifa-Kongress werden verurteilte Fifa-Mitglieder hofiert.

Mark Pieth ist Professor für Strafrecht und Kriminologie an der Universität Basel und leitete zwei Jahre ein sogenanntes Governance-Komitee, das die Strukturen der Fifa untersuchen und Reformen auf den Weg bringen sollte.

Er empfindet Blatters erneute Kandidatur als „Fehler“. Dem Handelsblatt sagte er: „Die Europäer haben sich in der Frage der Präsidentenwahl selbst ins Abseits gestellt. Denn die Uefa hat keinen ernst zu nehmenden Kandidaten gegen Blatter aufgestellt.“

Kommentare zu " Wie Blatter die Fifa regiert: „Jede Bananenrepublik kann Einfluss nehmen“"

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  • Luigi, Du wissen wen zu wählen?
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    Si, Don Blatter, ich wählen Dich wenn Du überweisen 100 Millionen Dollar auf mein Schweizer Konto.
    Bene, Luigi.
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    Das gilt vor allem für afrikanische Staaten!
    Aber da gibt es noch diese unsägliche UEFA ...
    Diese stellt sich doch tatsächlich quer!
    Das grenzt schon an Blasphemie!
    Wie steht es schon in der Bibel: "Du sollst keine fremden Götter haben neben Blatter".

    Joseph Blatter ist in Deckung gegangen. Er wagt sich auch nicht mehr in die USA. Für ihn ist das "Feindesland".

  • Die Uefa steht am Scheideweg. Sie kann die Wahl morgen einerseits boykottieren und belässt es bei diesem symbolischen Akt, was aber irgendwann Platini und Co. auf die Füße fallen dürfte, weil sie in dieser Angelegenheit nicht mehr unternommen hätten.
    Andererseits fordern sie Blatter zum Rücktritt auf, boykottieren die Wahl und falls Blatter nicht zurücktreten will, sollte man wirklich ernsthaft überlegen die Reißleine zu ziehen, aus der Fifa austreten und einen eigenen Weltverband gründen. Das Herz des Fußballs schlägt in Europa. Dieser Marktstellung haben andere Kontinentalverbände nichts, aber auch gar nichts entgegenzusetzen.
    Nebenbei bemerkt würde ich es begrüssen wenn die Uefa die Daumenschrauben in Sachen Financial Fair Play noch ein wenig fester anziehen würde.

  • Das System Blatter
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    Der Fußball-Weltverband Fifa wird von einem neuen Korruptionsskandal erschüttert. Die afrikanischen Mitgliedsländer ficht das nicht an. Sie wollen wählen. Und zwar Blatter.
    Blatter versorgt sie mit Geld, welches dann in dunkle Kanäle verschwindet. Das ist eine alte Mafiaregel. Jeder hat seinen Preis.

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