Wie Bundesligisten Fremdkapital suchen
Auf Umwegen zu frischem Geld

Martin Kind kämpft bislang vergeblich gegen die umstrittene "50+1"-Regel, die den Bundesligisten verbietet, die Mehrheit der Stimmen an ihren Kapitalgesellschaften zu verkaufen. Der Präsident von Hannover 96 versucht nun, eine Sonderregelung auszuhandeln.

BERLIN/HAMBURG. Martin Kind verdient sein Geld mit Hörgeräten. Vor 38 Jahren hat er das Fachgeschäft von seinen Eltern übernommen. Heute verkauft er vom niedersächsischen Großburgwedel aus Hörgeräte in 65 Länder weltweit. Mit 13 Standorten und 470 Fachgeschäften ist die Kind Hörgeräte GmbH die Nummer zwei in Europa.

Im Nebenberuf führt Kind auch die Geschäfte der Hannover 96 GmbH & Co. KGaA. In den neunziger Jahren hat er den Verein vor der Insolvenz bewahrt und jetzt ist ihm daran gelegen, den Klub langfristig in der Fußball-Bundesliga zu etablieren. Weil er dafür aber nicht noch mehr eigenes Geld in den Klub pumpen will, braucht er fremdes Kapital. Deshalb kämpft er dafür, dass sich auch der deutsche Fußball endlich für Investoren öffnen darf. Martin Kind will die umstrittene "50+1"-Regel abschaffen, die es den deutschen Klubs - anders als beispielsweise in England - verbietet, die Mehrheit der Stimmen an ihren Kapitalgesellschaften zu veräußern.

Dafür müsste die Deutsche Fußball Liga (DFL) aber ihre Satzung ändern, und das geht nur, wenn drei Viertel der Vereine im Sinne Kinds stimmen. Weil aber laut einer Handelsblatt-Umfrage neben Hannover nur sechs der 36 Bundesligisten gegen "50+1" plädieren, versucht Kind nun, mit der DFL eine Sonderregelung auszuhandeln. In Anlehnung an die Werksvereine Bayer Leverkusen und VfL Wolfsburg (Volkswagen) plant Kind, seine langjährigen Partner über eine Kapitalerhöhung an der GmbH & Co. KGaA zu beteiligen. "Seit elf Jahren arbeiten wir mit sieben Investoren zusammen, die wir in der Hannover 96 Sales & Service GmbH gebündelt haben", sagte Kind dem Handelsblatt. Zu diesen gehören Unternehmen wie AWD, der Madsack Verlag und Hit-Radio Antenne Niedersachsen. "Diesen Kreis wollen wir um zwei bis drei Investoren aufstocken", sagte Kind. Die GmbH könne dann nach außen als ein Beteiligungsunternehmen auftreten. "Wir arbeiten mit der DFL an einer sauberen Lösung", sagte Kind, der hofft, noch in diesem Jahr Vollzug melden zu können.

Nur bräuchte er auch für diesen Plan eine entsprechende Mehrheit der DFL-Mitgliederversammlung. So können Leverkusen und Wolfsburg für sich eine Ausnahmegenehmigung der DFL beanspruchen, weil Bayer und VW ihre Klubs bereits vor 1998 mehr als 20 Jahre lang unterstützt haben. "Die DFL müsste also ihre Satzung ändern", sagt Thomas Dehesselles von der Frankfurter Kanzlei Arnecke Siebold.

Sollte er dafür eine Mehrheit bekommen, käme das defacto einer Aufweichung der "50+1"-Regel gleich, weil dann auch langjährige Förderer anderer Vereine wie zum Beispiel Teppichhändler Michael A. Roth beim 1. FC Nürnberg davon Gebrauch machen könnten.

Genau deshalb aber scheint eine Mehrheit fraglich, schließlich haben längst nicht alle Klubs ihre Profiabteilungen in eine Kapitalgesellschaft ausgegliedert. Warum also sollten Schalke 04, der VfB Stuttgart oder der Hamburger SV durch ihre Zustimmung die Konkurrenz stärken?

Dem HSV zum Beispiel ist es bis heute nicht gelungen, seine Mitglieder für eine Ausgliederung zu überzeugen. Klub-Chef Bernd Hoffmann ist deshalb seit Jahren darauf angewiesen, über andere Wege zu Geld zu kommen. So hat auch er sich eine Konstruktion überlegt, mit der er "50+1" umgeht. Schon im Sommer hatte er die Idee, gemeinsam mit regionalen Investoren einen Fonds zu gründen, um neue Spieler "in der Kategorie Franck Ribéry kaufen zu können", wie Hoffmann gestern dem Handelsblatt bestätigte. Intern hat er das geheime Projekt "Anstoß hoch drei" getauft, weil er dafür drei Geldgeber aus dem Hamburger Raum gewonnen habe. Deren Geld wolle der HSV zweckgebunden ausgeben, also immer für einen bestimmten Transfer. Wie viel Geld der Klub und wie viel der Investor beisteuert, werde von Fall zu Fall entschieden. Entsprechend seiner Einlage soll der Financier an einem möglichen Transfergewinn partizipieren. Damit der HSV nicht gegen die Statuten der DFL verstößt, hat Hoffmann seinen Geldgebern keine Mitspracherechte eingeräumt. Angedacht sei nur, sie bei regelmäßigen Beiratstreffen zu informieren, sagte Hoffmann.

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